Gastbeitrag: Darf ich zweifeln?

Gastbeitrag zweifel (3)

Zu aller erst möchte auch ich mich bei Aline bedanken, dass sie gleich mehreren die Chance und die passende Plattform gibt, sich im Schreiben zu probieren!

Kurz zu mir, mein Name ist Magda ich bin 19 Jahre alt und ein Pferdeleben begann vor neun Jahren. Seit 2008 begleitet mich eine dunkelbraune Stute namens Derby, die dieses Jahr 21 wird. Mit ihr habe ich meine ersten Turniererfahrungen gemacht und dann wieder gemerkt, dass das nichts für uns ist. Wegen ihr beschäftige ich mich seit zwei Jahren mit der positiven Verstärkung und den Bedürfnissen des Pferdes in der Pferd-Mensch Beziehung.

Ab Winter 2014 begleitet uns Ronja, eine kleine Knabstrupper Stute, die mit einem halben Jahr zu uns kam.
Trotz ihres jungen Alters hat sie eine genaue Vorstellung wie ein Pferdeleben zu laufen hat und bringt mich immer wieder mit ihrer einzigartig starken Persönlichkeit an meine Grenzen. Sie ist der Grund für die unzähligen Zweifel, die ich mir selbst, meinen Erfahrungen und meinen Methoden gegenüber entwickelt habe. Und genau um dieses Thema soll es mir gehen.

Gastbeitrag zweifel (2)

Denn jeder Reiter, der mit einem oder mehreren Pferden lebt, das er ins Herz geschlossen hat, wird früher oder später von diesem einen Spiegel vor das eigene Gesicht gehalten bekommen. Weil hast du erst dein „once-in-a-lifetime-Pferd“ gefunden, wird es anfangen nicht nur mit dir, sondern auch an dir zu arbeiten. Es wird dich von oben nach unten einmal umkrempeln und das ist unangenehm. Je nach Charakter des Menschen und des Pferdes, darf man die Lektionen, mit denen die Fellnasen uns nach ihren Vorstellungen formen, auf die leichte oder die schwere Art lernen.
Ein Beispiel für eine Lektion, die ich von Ronja lernen durfte, die mich aber bis an den äußersten Rand der Selbstzweifel getrieben hat ist : Ein Pferd hat ein Recht über seinen eigenen Körper zu entscheiden und jedes problematische Verhalten entspringt einer Ursache – Pferde simulieren nicht. Ronja zeigte im Winter 2015 sehr ungewohnte Verhaltensweisen. Sie mied mich und immer, wenn ich sie berühren wollte biss sie nach mir. Die Tipps, die ich bekam, gingen von: „Trainier es ihr ab“ über „Ein Pferd hat sich berühren zu lassen, wenn du es willst“.

Gastbeitrag zweifel (4)

Ich weiß nicht, ob es nachzuvollziehen ist, wie sehr ich in dieser Zeit gezweifelt habe. Abwägen was richtig und was falsch ist, ist schwer, wenn das Thema so emotional aufgeladen ist, wie Verhaltensauffälligkeiten am eigenen Pferd.
Was darf ich vom Pferd wollen, wie gehe ich mit einem deutlichen Nein vom Pferd um und wie wichtig ist das eigene Ego im Umgang mit dem Pferd, waren Fragen, die mich beschäftigt haben.
Und es wird in jeder Pferd-Mensch Beziehung mindestens einmal dieser Punkt kommen an dem man sich selbst oder die Beziehung zum Pferd so sehr in Frage stellt, dass man nicht weiß, wie es weiter gehen soll. Und in diesen Tagen, Wochen oder sogar Monaten zeigt sich einem wie innere Stärke aussehen kann. Anders als im Spruch „Wahre Stärke zeigt sich, wenn man weitermacht, obwohl andere von einem erwarten aufzugeben“ glaube ich daran, dass wahre Stärke sich dann zeigt, wenn man selbst nicht mehr glaubt weitermachen zu können und es trotzdem tut, weil da dieses kleine Gefühl ist. Dieser winzig kleine Gedanke, dass ja doch alles gut werden könnte.
Und genau in diesen Tiefzeiten müssen wir besonders an diesem Gefühl festhalten und offen für die Kommunikation mit unseren Pferden sein. Genau das habe auch ich getan. Wir haben uns also auf die Suche nach Schmerzen gemacht, Physiotherapeutische Behandlung, Zahnbehandlung, Haaranalyse. Letzteres ergab Wurmbefall. Also Kotprobe genommen und tadaaa, Befund Spulwürmer. Unsere Pferde werden regelmäßig entwurmt, aber Ronja hatte wohl Stress die vorhergehenden Monate durch einen Stallwechsel und neue Pferde. Sie hat es mir mittlerweile verziehen, dass ich solange gebraucht habe um ihre Signale zu deuten, ich darf sie wieder berühren aber meine Lektion habe ich definitiv gelernt.

Die Arbeit mit jedem Pferd ist ein einziges Tasten nach richtig und falsch. Tappt man dabei in die Falle zu viel an den eigenen Fehlern fest zu hängen, ziehen einen die negativen Energien runter und man hängt ähnlich einer Depression in einer Art Spirale fest. Je negativer die Gedanken werden, desto schlechtere Energie strahlt man aus und umso weniger funktioniert alles, was man tut. Je kopfgesteuerter und je ausgeprägter der Hang zum Perfektionismus eines jeden ist, desto schneller kommt man an diesen Punkt. Weil dann werden die Selbstzweifel oder generell alle Gefühle zur Verzweiflung und können im schlimmsten Fall jegliches Denken und Handeln negativ beeinflussen.

Gastbeitrag zweifel (1)

Nicht zuletzt schadet man sich mit diesem übermäßigen Zweifeln nicht nur selbst, sondern auch unbewusst seinem Pferd. Hat man eine gute Bindung zum Pferd wird es immer versuchen dem Menschen Last abzunehmen. Und im Endeffekt wird es nur schwieriger, weil man jetzt zwei aus der Negativität boxen muss.
Aber hat man sich einmal aus diesem Gewirr an negativen Gedanken und Gefühlen herausgewühlt, hat man so viel gelernt, dass man stolz auf sich und besonders auf sein Pferd sein kann.
Versteht mich nicht falsch, ich möchte euch dazu ermutigen zu Zweifeln, hinterfragt Dinge, zweifelt an euch selbst. Aber verfahrt euch nicht in einer Sackgasse, weil ihr Angst habt zu Verzweifeln. Lasst euch nicht von euren eigenen Gedanken runter ziehen, glaubt an euch und dem Sinn hinter dem Verhalten eurer Pferde. Nehmt ein Nein gelassen und dankend an, steht zu eurer Meinung über euer Pferd, weil nur ihr es so gut kennt, dass ihr seine Bedürfnisse erkennen könnt.
Seid euch und eurem Pferd gegenüber aufmerksam und positiv, dann kann zwar immer noch was schiefgehen aber ihr könnt es objektiver betrachten und energiereicher an die Sache herangehen.

Beitrag von Magda


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