Das erste eigene Pferd und ob es eines danach gibt

Erstes PferdIrgendein Pferd ist für uns alle „das erste eigene Pferd“ und ich denke uns allen wird dieses Pferd in besonderer Erinnerung bleiben. Blue ist mein erstes eigenes Pferd und natürlich kommt da auch die Frage auf, ob ich mir nach ihm noch mal eines holen werde. Ich denke grundsätzlich lässt sich diese Frage im Voraus nie zu 100% beantworten, denn oft kommt es auf die Umstände drauf an und wie letztendlich alles kommt. So lange Blue lebt, kommt für mich ein zweites nicht in Frage, einfach weil ich nicht wüsste wie ich zwei Pferden vor allem zeitlich gerecht werden sollte. Grundsätzlich wünsche ich mir für Blue ein langes und gesundes Leben, sollte da was dazwischen kommen weiß ich nicht was ich tun würde. Aber eigentlich tendiere ich eher dazu anschließend kein neues zu holen.
Ich verurteile aber auch niemanden, der nach dem Tod des Pferdes oder schon zu Lebzeiten sich ein neues Pferd kauft.
Blue ist für mich das eine Pferd, was sowieso nie ersetzt werden kann. Natürlich soll ein neues Pferd allgemein niemanden „ersetzen“ sondern als Individuum betrachtet werden. Doch das erste eigene Pferd lehrt einem häufig am meisten und im Endeffekt durchläuft man damit die größte Entwicklung. In den über 15 Jahren habe ich von Blue wahnsinnig viel gelernt. Sowohl über mich selbst als auch über Pferde. Als er geboren wurde hatte ich eine völlig andere Einstellung, diese hat sich mit den Jahren immer weiter entwickelt. Egal ob es die Haltung betrifft oder auch das Miteinander. Blue hat mich viel zum umdenken gebracht und ich bekam von ihm oft den „berühmten Spiegel“ vorgehalten.
Bei uns ist natürlich das besondere, dass wir Blue selbst gezogen haben. Seit er lebt ist er bei mir und ich gehe davon aus, dass er in seinem Leben niemals einen anderen Besitzer bekommen wird. Ich war der erste Mensch der auf ihm sitzen durfte und er war nicht nur mein erstes eigenes Pferd, er war auch das erste Pferd was ich ausgebildet habe. Alles was wir heute können haben wir uns gemeinsam erarbeitet. Es war nicht immer leicht und sicher standen wir uns manchmal selbst im Weg, aber wir haben dadurch eine Menge gelernt.
Zwar können wir keine Turniersiege vorweisen, aber trotzdem würde ich sagen, dass wir sehr viel erreicht haben. Dadurch, dass wir ihn selbst gezogen haben konnte ich ihn mir natürlich nicht aussuchen. Bei uns trifft der Spruch „man bekommt nicht das Pferd was man will, sondern das Pferd was man braucht“ absolut zu.

Erstes Pferd1

Natürlich wünsche auch ich mir, dass der Tag niemals kommen wird an dem Blue mich verlässt. Aber leider wird dieser Tag kommen. Ich hoffe, dass er noch in weiter Ferne liegt und wenn er kommt, dann wird das wahnsinnig schwer für mich. Zu Blue habe ich eine tolle Beziehung, wir verstehen uns blind und ich kann mir gar nicht vorstellen wie es ist, wenn er nicht mehr da ist. Dieses Pferd bedeutet mir wahnsinnig viel, denn er begeleitet mich seit ich mein 11. Lebensjahr vollendet habe. Das heißt er war in einem Lebensabschnitt an meiner Seite, wo sich vieles verändert hat. Wo ich mich verändert und entwickelt habe. Von der Schule bis zum normalen Berufsleben. Blue hat viele Menschen kennengelernt die heute nicht mehr da sind oder wo sich, aus welchen Gründen auch immer, die Wege getrennt haben. So ist das im Leben eben manchmal. Dinge verändern sich, Menschen kommen und gehen. Das alles hat er miterlebt. Oft war er mein Anker in schwierigen Zeiten und auch wenn er nicht reden kann, so hat mir die Zeit, die ich bei ihm verbracht habe, immer geholfen. Ohne Blue gäbe es diesen Blog und auch allgemein unsere Social Media Kanäle nicht. Alles hat mit ihm begonnen und möglicherweise wird einiges auch mit ihm enden. Bei einem neuen Pferd hätte ich angst, dass ich zu ungeduldig bin, es unbewusst mit Blue vergleiche und auch hätte ich angst vor dem Schritt wieder komplett bei 0 anzufangen, nachdem ich mit Blue so viel erreicht habe.
Ich hoffe ja, dass Blue so alt wird wie sein Vater (35), ich wäre dann schon 46 Jahre alt und wer weiß wie sich das Leben bis dahin entwickelt.
Als Blue in mein Leben trat, wusste ich, dass ich diese Verantwortung bis zum Schluss übernehmen möchte. Egal wie sehr sich mein Leben verändert (oder bereits verändert hat), für ihn war/ist immer Platz darin. Und auch wenn er eines Tages nicht mehr da ist, dann wird er in meinem Herzen ewig einen Platz haben. Ich werde ihm immer Dankbar sein für alles was ich mit oder durch ihn erleben durfte. Er wird für mich immer dieses eine besondere Pferd bleiben und natürlich mein erstes – vielleicht auch mein einziges.
Vielleicht kann man auch zu einem zweiten Pferd eine ebenso innige Beziehung aufbauen wie das bei Blue und mir der Fall ist. Aber ich denke nicht, dass ich noch mal den Luxus haben werde, dass ein Pferd bei „mir“ auf die Welt kommt und ich seinen kompletten Lebensweg miterleben kann. Es ist schon etwas besonderes, wenn man von Anfang an alles mitbekommt und es keine Vergangenheit gibt von der man nichts weiß. Wir sind beide gemeinsam erwachsen geworden und um uns herum ist viel passiert. Trotzdem war Blue immer da und ich habe viele Stunden auf der Weide verbracht. Vor allem während meiner Schulzeit und durch die Ferien hatte ich viel Zeit für Blue. Zeit ist ein Luxus, der einem mit zunehmendem Alter leider fehlt. Man geht fast den ganzen Tag arbeiten und die Verpflichtungen nehmen ebenfalls zu.
Das alles sind Gründe, weswegen ich mir zumindest aktuell nicht vorstellen kann noch mal ein Pferd nach Blue zu haben. Aber wie heißt es so schön – sag niemals nie. Man weiß nie was die Zeit bringt und ich bin mir sicher, dass alles irgendwie so kommt wie es kommen muss und wie es richtig ist.


2 Gedanken zu “Das erste eigene Pferd und ob es eines danach gibt

  1. Kann ich total nachvollziehen. Ich würde mir wahrscheinlich schon wieder ein Pferd holen, einfach weil es nicht ohne geht, auch wenn es natürlich nicht das erste ersetzen kann oder soll. Aber erstmal die Zeit jetzt mit meinem Pferd genießen so lange wie möglich und die Zukunft wird dann zeigen, was sie so bringt.

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  2. Hallo,
    ich habe letztes Jahr meine Stute nach 20 gemeinsamen Jahre gehen lassen müssen und es war eine furchtbare Erfahrung 😦 Aber mal ehrlich, welches Kalti wird 28 Jahre alt?
    Wir waren dann eine ganze Weile ohne Pferd und das Loch, welches unser Kalti hinterlassen hat, wurde immer größer und tiefer.
    Ok, wir schauen uns mal um. Das war leichter gesagt als getan. Wir haben eine Anzeige geschaltet und ganz genau unsere Vorstellungen beschrieben. Es wurde uns alles angeboten, wirklich alles 😦
    Die Anzeige haben wir dann nach einiger Zeit gelöscht und gesagt: das war es, es gibt für uns kein Pferd mehr zumal wir auch nicht mehr die Jüngsten sind.
    Eine ganze Weile später – wir dachten schon gar nicht mehr über ein Pferd nach – bekamen wir einen Anruf. Eine junge Frau war in Not und wollte sich von einem ihrer Pferde trennen. Ok, wir fahren mal hin und schauen ihn uns an.
    Das war das Beste war, was uns passieren konnte 🙂 Das Pferd wurde uns vorgestellt und wir waren beide unabhängig von einander „schockverliebt“. Der kleine Mann ist nun seit einem halben Jahr bei uns und wir haben noch nicht einen Tag bereut. Er kann und soll unser Kalti nicht ersetzen, dass könnte er auch niemals, aber er bringt wieder Freude in unser Leben und das ist mehr wert als alles andere. Wir lieben ihn sooooo sehr und hoffen, dass wir ihm noch sehr lange erhalten bleiben. Ja, Ihr lest richtig, wir wollen ihm noch lange erhalten bleiben 😉

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