Wenn das Fohlen erwachsen wird

Wie die meisten sicher wissen, ist Blue mein erstes eigenes Pferd und ich hatte das Glück ihn seit seiner Geburt bei mir zu haben. Somit kenne ich ihn von Anfang an und habe ihn auch selbst ausgebildet. Im Blogbeitrag Vom Fohlen zum Reitpferd habe ich ja bereits allgemein über das Einreiten geschrieben. Hier möchte ich noch mal detailierter auf alles eingehen, wie wir es gemacht habe und ob ich irgendwas bereue oder anders machen würde. Damit es nicht zu viel wird habe ich das ganze in 3 Beiträge geteilt:

Teil 1: Ein Fohlen aus der eigenen Stute
Teil 2: Wenn das Fohlen erwachsen wird
Teil 3: Das eigene Pferd selbst ausbilden – bereue ich irgendwas? (geht am 13.03.2019 online)

Wenn das Fohlen erwachsen wird 2005
Blue, Januar 2005

All unsere Fohlen haben ziemlich schnell das „Fohlen ABC“ beigebracht bekommen. Uns war wichtig, dass wir sie überall angreifen konnten und auch ein Halfter anziehen kein Problem darstellt. Natürlich durften die Kleinen lange Zeit einfach nur Fohlen sein. Bei Ausreiten sind sie anfangs mitgelaufen und auch so sind wir mal ein kleines Stück spazieren gegangen. Sie lernten recht früh den Pferdeanhänger kennen und auch Hufe geben war kein Problem. Mit der Zeit kam dann auch das Führen hinzu. Denn falls das Pferd in jungen Jahren mal was bekommt, ist es ja durchaus wichtig, dass man es problemlos händeln und untersuchen kann. Natürlich haben wir gelegentlich mal kleine Übungen mit ihnen gemacht, aber die meiste Zeit durften sie einfach ihr Leben genießen. Wir sind auch nie oft und viel mit ihnen spazieren gegangen. Trotzdem haben sie einiges kennengelernt und wir hatten da auch nie Probleme. Man muss schon aufpassen, dass man so ein junges Pferd nicht überfordert. Ja, auch für mich waren die 3 Jahre anfangs eine lange Zeit. Aber im Endeffekt verging die Zeit schneller als ich gucken konnte. Im Prinzip hat man ja auch noch eine lange Zeit mit seinem Pferd, da finde ich es nur fair ihm 3 Jahre „unbeschwerte Jugend“ auf der Weide zu gönnen, damit auch die größte Entwicklungsphase problemlos abgeschlossen werden kann.
Auch wenn es ja die Regelung gibt, dass ein Pferd am 01.01. ein Jahr älter wird, so spielte das für uns nie eine Rolle. Unsere Pferde haben alle volle 3 Jahre bekommen und so begann für Blue z.B. erst Ende Juni 2005 der Ernst des Lebens und auch das sehr langsam und schonend.

Jeder, der sein Pferd jung und roh bekommen hat wird wissen, dass man viel beachten muss. Alles was in der Jugend schief läuft, holt einen irgendwann wieder ein. Es dauert lange um Fehler, die in jungen Jahren gemacht wurden, wieder zu korrigieren. Manches bekommt man möglicherweise nie ganz raus. Egal was das Pferd in jungen Jahren erlebt, es ist prägend.
Als Blue dann 3 Jahre alt war fing ich natürlich damit an ihn vorzubereiten. Bin neben und an ihm herum gehüpft oder habe mal einen Arm über den Rücken gelegt. Nachdem das alles kein Problem für Blue war, kam irgendwann das drüber legen. Ganz entspannt auf der Weide, während entweder meine Mutter oder Schwester ihn festgehalten haben. Nachdem ich öfter über ihm gelegen habe und wir so auch einige Schritte gegangen sind, setzte ich mich eines Tages auf ihn. Das verlief genauso unspektakulär und ich muss sagen, es ist schon ein tolles Gefühl, wenn man der erste Mensch ist, der auf dem Rücken des eigenen Pferdes Platz nehmen darf.
Bei Melody lief es ebenfalls so unkompliziert und auch bei ihr war ich der erste Mensch, der drauf saß. Im Prinzip habe ich das ganze zwei Mal mit gemacht. Ein Mal bei Blue und dann bei Melody. Wobei wir am Anfang immer zu zweit am Pferd waren.
Von den Anfangszeiten gibt es nichts spektakuläres zu erzählen, wir haben alles ganz langsam gesteigert, damit das Pferd nicht überfordert wird. Denn so ein Pferd muss ja auch erst mal lernen sich zu konzentrieren. Angefangen haben wir mit Einheiten von 5-10 Minuten und so wurde das immer weiter ausgebaut. Aber auch hier ging es nicht von 0 auf 100, sondern es gab immer genug Tage wo das Pferd pause hatte. Bei Blue war es so, dass ich ihn im Sommer/Herbst angeritten habe und dann bekam er den Winter über 1-2 Monate Pause wo sich alles noch mal setzen konnte. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm gut getan hat. Denn da kommt ja schon viel neues auf ein Mal. Neben der Vorbereitung fürs spätere drauf setzen, fing ich irgendwann auch an ihn langsam zu longieren (in einem großen Kreis) und wir gingen öfter mal spazieren. Bei Blue war das alles wirklich nicht spannend, er hatte groß keine Angst vor irgendwas und auch Motorräder oder Autos waren kein Problem. Ich bin ziemlich schnell mit Blue ausreiten gegangen, nachdem auf dem Platz Lenkung, Bremse und Gas zuverlässig funktioniert haben. Im Gelände hat man den Vorteil, dass das Pferd viel geradeaus laufen kann und keine engen Wendungen gemacht werden müssen. Für ein junges Pferd sind enge Wendungen ja doch eine große Herausforderung aufgrund der fehlenden Balance. Hat das Pferd an der langen Seite die Balance einigermaßen gefunden, kommt sofort die kurze Ecke und bringt es wieder raus. Im Gelände fällt das einem Jungpferd leichter und natürlich bin ich nicht alleine ausreiten gegangen. Meistens wurden wir von meiner Mutter und Bärli begleitet. Bärli strahlte Ruhe aus, ist im Gelände lieb und konnte damit gerade einem jungen Pferd viel Sicherheit geben. Unseren ersten Galopp hatten wir dann auch im Gelände. Dafür haben wir uns einen Weg ausgesucht der lang war und leicht bergauf ging. Die Länge natürlich, weil junge Pferde oft eine gewisse Strecke brauchen ehe sie in den Galopp springen und leicht bergauf war natürlich gut zum Bremsen. Manch einer mag zwar denken, dass das doch voll gefährlich ist, was es m.M.n. überhaupt nicht ist. Wenn man ein geländesicheres Pferd dabei hat, dann geht das sehr gut. Sicher mag es vielleicht Pferdetypen geben, bei denen ich das auch nicht machen würde. Aber Blue reagierte sehr zuverlässig auf alle wichtigen Hilfen und wir waren ja bereits vorher schon oft im Schritt ausreiten und später dann mit kurzen Trabstrecken usw..

Wenn das Fohlen erwachsen wird 2007
Blue 2007

Meiner Meinung nach sind Pferde anfangs mit dem Reitergewicht sehr unsicher und bremsen eher statt los zu schießen. Wenn ein Pferd das Rennen im Gelände nicht kennt, dann kommt es i.d.R. auch nicht auf die Idee. Obwohl ich sowohl mit Blue als auch mit Melody in jungen Jahren echt oft ausreiten war, ist NIE einer von beiden los geschossen. Sie haben eher gebremst wenn etwas komisch war. Durchgegangen ist keiner von beiden in der Anfangszeit. Wenn dann kam das erst mit den Jahren wo sie mal etwas getestet haben. Beim anreiten war das nie ein Thema. Und selbst später gab es keine Situation, die man nicht irgendwie nach wenigen Schritten wieder kontrollieren konnte. Aber durch das reiten im Gelände haben beide Pferde ein gutes Gleichgewicht bekommen und gerade das Üben vom angaloppieren klappte dort super.

Nach den Anfängen wo es ja hauptsächlich darum geht, dass das Pferd die Grundlagen kennenlernt, kam mit der Zeit natürlich immer mehr dazu. Da ich von Anfang an auch am Boden mit Blue gearbeitet habe, kannte Blue die Stimmkommandos sehr gut. Das hilft finde ich am Anfang sehr viel. Wenn ich von „am Boden arbeiten“ spreche, dann meine ich vor allem Longieren und spazieren gehen. Denn damals habe ich noch nicht so vielseitig vom Boden gearbeitet wie heute. Bodenarbeit war eigentlich für die meisten eine Fremdwort, wir haben uns ja auch erdt später, nach dem Kniebruch, ausgiebig damit beschäftigt.


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