Ein Fohlen aus der eigenen Stute

Wie die meisten sicher wissen, ist Blue mein erstes eigenes Pferd und ich hatte das Glück ihn seit seiner Geburt bei mir zu haben. Somit kenne ich ihn von Anfang an und habe ihn auch selbst ausgebildet. Im Blogbeitrag Vom Fohlen zum Reitpferd habe ich ja bereits allgemein über das Einreiten geschrieben. Hier möchte ich noch mal detaillierter auf alles eingehen, wie wir es gemacht habe und ob ich irgendwas bereue oder anders machen würde. Damit es nicht zu viel wird habe ich das ganze in 3 Beiträge geteilt.

Teil 1: Ein Fohlen aus der eigenen Stute
Teil 2: Wenn das Fohlen erwachsen wird
Teil 3: Das eigene Pferd selbst ausbilden – bereue ich irgendwas? (geht am 13.03.2019 online)

Meine Mama hat sich immer ein Fohlen aus der eigenen Stute gewünscht. Da Bärli wirklich ein tolles Wesen hat und auch ansonsten gesund war, stand dem nichts im Wege. Damals hat meine Mutter sich ausgiebig mit dem Thema befasst und auch lange geguckt welcher Hengst passt. Als Bärli das erste Mal tragend wurde, war sie ca. 8 Jahre alt und schon einige Jahre lang bei uns. Es gab damals noch nicht viele Appaloosa Hengste in Deutschland. Außerdem wollte meine Mutter einen der nicht nur gesund ist, sondern auch ansonsten einen tollen Charakter hat und vor allem anständige Hufe. Denn schon damals wurden Appaloosa gerne auf sehr kleine Hufe gezüchtet, was aber letztendlich zum Nachteil des Pferdes ist.

Horse of Geronimo
Horse of Geronimo

Meine Mutter fand einen Hengst in der Nähe – Horse of Geronimo. Er war tatsächlich mit einer der ersten Zuchthengste in Deutschland, hatte ein tolles Wesen, gute Hufe und war gesund. Letztendlich hat bei ihm alles gepasst, denn meine Mutter wollte keine Besamung sondern einen Natursprung. Alle drei Fohlen stammen vom selben Hengst ab. Dafür ist sie oft dorthin gefahren. Die Besitzerin des Hengstes ist wirklich super lieb, aber meine Mama wollte Bärli lieber wieder mit nehmen. Wir sind Geronimo auch so einige Male besuchen gefahren und haben sogar noch heute Kontakt zur Besitzerin. Sie kam auch schon bei uns vorbei, um Geronimos Nachkommen kennenzulernen. Leider ist er 2013 im Alter von 35 Jahren verstorben. Aber er hatte bis zum Schluss ein wirklich tolles Leben. Wir hoffen sehr, dass unsere Pferde mindestens genauso alt werden.
Das erste Fohlen wurde in einem Stall zur Welt gebracht, Blue und Melody erblickten beide auf unserer Sommerweide das Licht der Welt. Blue war ein verhältnismäßig spätes Fohlen, da meine Mutter sich sehr spontan nach dem Verlust unseres ersten Fohlens entschlossen hat Bärli noch mal decken zu lassen. Zusätzlich kam er auch ca. 17 Tage zu früh auf die Welt.
In der heißen Phase sind wir sehr oft auf die Weide gefahren, aber wir sind auch der Meinung, dass Bärli lieber ihre Ruhe dabei haben wollte. Sie hat all ihre Fohlen selbst zur Welt gebracht und hat das ganz super gemacht. Natürlich wurde von einem Tierarzt die Nachgeburt und auch das Fohlen untersucht. Letztendlich kann man also sagen, dass Bärli 3 gesunde Fohlen zur Welt gebracht hat.
Zuerst blieben die Fohlen natürlich eine Zeit lang bei Bärli.
Irgendwann stellten sich aber schon die Frage: Wie geht es weiter? Wann und wie setzen wie die Fohlen ab? Bleibt Blue Hengst?

Wir haben bei uns in der Umgebung zum Glück einen Stall gefunden, der damals ebenfalls zwei gleichaltrige Hengstfohlen hatte. Nach ca. einem halben Jahr haben wir Blue abgesetzt und er kam zu den beiden anderen Hengsten. Hier war er in guter Gesellschaft und stand auch dort im Offenstall. Eigentlich sollte er einige Monate da bleiben, aber nach einiger Zeit stellten wir fest, dass die Haltung nicht dem entsprach, was uns anfangs versprochen wurde. Z.B. wurde der Unterstand nicht wirklich sauber gemacht. Dort wurde gelegentlich einfach etwas Stroh drüber gestreut und selbst das war selten der Fall. Da Blue schon damals gerne lag, stank er richtig und sah auch optisch entsprechend aus, weil er eben immer in den Exkrementen lag. Wir haben das mehrmals angesprochen, aber es änderte sich nichts. Außerdem teilte Blue uns nach einiger Zeit ziemlich deutlich mit, dass er sich dort nicht wohl fühlt. Somit kam er früher als geplant nach Hause.
Da Blue in der „Hengst WG“ nicht die Möglichkeit hatte trocken und sauber zu liegen, hat sich das übrigens so bei ihm eingebrannt, dass er selbst zu Hause oft in den Pferdeäppeln lag, obwohl genug saubere Fläche zur Verfügung stand. Durch so was merkt man dann auch sehr extrem, wie sich so was fest setzt. Er hat es als Fohlen eben so kennengelernt. Damit meine ich auch keinen Dreck (Lehm) sondern tatsächlichen Mist. Natürlich legen sich besonders helle Pferde gerne in den Dreck, aber wenn ein Pferd im eigenen Mist schläft, obwohl es das nicht müsste, finde ich das schon komisch. Mit den Jahren hat sich das aber gebessert. Aber es hat durchaus lange gedauert, bis er verstanden hat, dass er das bei uns nicht muss.
Da er noch Hengst war als wir ihn zurück geholt habe, konnte er nicht zu den anderen. Wir fanden aber zum Glück einen Artgenossen für ihn. Ein kleines Shetlandpony namens Oskar.

Ein Fohlen aus der eigenen Stute

Blue war als Hengst echt umgänglich und lieb, weswegen wir lange überlegt haben ob wir ihn legen lassen. Im Grunde hat er auch keine schlechte Abstammung, aber es wurde schnell klar, dass er als Wallach ein besseres Leben leben konnte. Im übrigen haben alle Fohlen von Bärli volle amerikanische Papiere. Diese bekommt man nicht einfach so, denn es müssen gewisse Merkmale erfüllt werden.
Das erste Fohlen war eine Stute, dann kam Blue und das dritte Fohlen wurde wieder eine Stute.
Da wir nicht züchten wollten wäre es einfach unfair gewesen ihn als Hengst zu halten. Immerhin sollte auch er im Offenstall leben und das natürlich nicht in Einzelhaft. Wie sagte man damals so schön „lieber ein glücklicher Wallach, statt ein frustrierter Hengst“.
In Rücksprache mit unserer damaligen Tierärztin haben wir dann bestimmt wann er gelegt wird. Uns wurde gesagt, dass ca. 2 Jahre ein gutes Alter ist. Natürlich hängt das immer auch damit zusammen wie das Pferd sich entwickelt. Aber aufgrund Blues umgänglichen und unproblematischen Wesen gab es keinen Grund das früher zu machen. Wir haben Blue in seiner gewohnten Umgebung, sprich auf der Weide, legen lassen. Das machen nicht so viele Tierärzte und man muss natürlich einiges beachten. Bei uns hat das super geklappt und wir waren sehr zufrieden. Aufgrund einer Schwellung musste die Tierärztin zwar noch mal kommen, ansonsten verlief aber alles ohne Komplikationen und er hat sich gut und schnell erholt.
Bei Melody war das Absetzen etwas unkomplizierter. Da wir nicht noch mal ein Pferd abgeben wollten, haben wir gewartet bis Blue gelegt war. Um Melody abzusetzen, kam diese dann zu Blue. Nach einiger Zeit haben wir dann die beiden Fohlen zurück zu Bärli und Sammy, dem damaligen Pferd meiner Schwester, gestellt. Da war Blue dann fast 3 Jahre alt. Ich finde es schon wichtig, dass Fohlen mit gleichaltrigen zusammen kommen, weil sie einfach anders spielen als „ältere“ Pferde. Auch was die Sozialisierung betrifft, finde ich den Kontakt zu anderen Pferden in jungen Jahren wichtig. Unsere Pferde sind alle sehr umgänglich. Blue kann man eigentlich mit so ziemlich jedem Pferd zusammen lassen, er kommt mit allen aus. Er lässt sich viel gefallen, wehrt sich aber auch wenn es sein muss.
Auch heute ist es noch spannend zu sehen, dass in unserer Herde niemand so richtig das sagen hat. Bärli steht über Blue, Blue steht über Melody und Melody steht über Bärli. So hat jeder jemanden der unter und über ihm steht. Natürlich gibt es auch innerhalb unserer kleinen Familie manchmal Streit. Aber im großen und ganzen ist es eine sehr harmonische Herde wo jeder seinen Platz hat.


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