Vertrauen

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Es ist mit Sicherheit die Frage welche mit Abstand am meisten gestellt wird.
Wie bekomme ich mein Pferd dazu mir zu vertrauen?
Alles dreht sich darum, wie man es bekommt. Vor allem aber darum, dass man es schnellstmöglich bekommt.
Ich habe das Gefühl, dass viele glauben Vertrauen bekommt man indem man ein bestimmtes „System“ abarbeitet. Das ist aber definitiv nicht so und meine eigene Erfahrung ist, dass weniger manchmal in der Tat mehr ist.

„Vertrauen aufzubauen dauert Jahre, aber nur wenige Sekunden reichen, um alles zu zerstören.“

Die grausame Wahrheit bei der Sache mit dem Vertrauen ist einfach: Vertrauen muss man sich meiner Meinung nach verdienen.
Nicht wir entscheiden ob man uns vertraut, sondern immer der andere (in unserem Falle das Pferd).
Der Mensch möchte möglichst viel beeinflussen und bestimmen, doch dort funktioniert das nicht. Damit haben viele Menschen ein Problem. So gesehen müssen wir unserem Pferd einen Grund geben uns zu vertrauen, indem wir fair zu ihm sind und uns angemessen ihm gegenüber verhalten.

„Dein Pferd kann Dir nur vertrauen, wenn Du ihm vertraust“

Ein weiterer Punkt ist, dass Vertrauen i.d.R. auf Gegenseitigkeit beruht. Wie oft habe ich schon erlebt wie Menschen wollten, dass das Pferd ihnen vertraut. Gleichzeitig waren aber genau diese Menschen absolut misstrauisch ihren Pferden gegenüber. Jeder weiß, Pferde sind sehr sensibel und merken wie der Mensch drauf ist, ob er unsicher ist oder von etwas überzeugt.
Wirkliches Vertrauen bedeutet nicht ein unnötiges Risiko einzugehen, denn Vertrauen bedeutet auch aufeinander aufzupassen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man trotz Vertrauen die Instinkte vom Pferd nie 100%ig „kontrollieren“ kann.
Vertrauen ist kein Freifahrtschein für alles, ineinander Vertrauen erleichtert aber den Umgang und ist in Notsituationen Gold wert. Viele überschätzen sich und ihre Beziehung zum Pferd. Viele sind auch gar nicht bereit jahrelang „Vertrauen“ aufzubauen. Denn sie wollen es jetzt und auf der Stelle haben – egal was es kostet.
Egal wie Blue drauf ist oder ob er einen absolut miesen Tag hat, ich weiß im Notfall kann ich mich eigentlich auf ihn verlassen. Das funktioniert aber nur, weil ich diese Sicherheit ausstrahle und ihm entsprechend vertraue, dass er nicht kopflos wird. Es ist das Ergebnis von über 14 Jahren Zusammenarbeit, wo sich unsere Beziehung und das Vertrauen stets verändert und weiterentwickelt hat.
Hätte ich selbst angst und würde denken „gleich haut er ab/geht er durch/rennt er mich um“, dann wird dies zu 90% auch eintreten.

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Ja, aber wie bekomme ich mein Pferd nun dazu mir zu vertrauen?
Häufig macht man sich einfach viel zu viele Gedanken und versteift sich zu sehr darauf. Man will darauf „hinarbeiten“ – aktiv etwas machen. Dabei sind es oft die ruhigen Momente, die mehr Wirkung haben. Sich einfach mal auf die Weide zum Pferd setzen und es beobachten, nur mal kommen zum putzen oder sonstige Sachen die es gerne mag.
Es gibt kein Schema F wo man sagen kann: „Mach x und y, 5 mal die Woche, in den Abständen, dieser Dauer etc. und nach 3 Wochen vertraut Dir Dein Pferd.“
Doch wer fair zu seinem Pferd ist, auf seine Bedürfnisse eingeht und eben nicht nur kommt wenn er was von dem Pferd will (reiten) hat schon viel gewonnen.
Es gibt Pferde die brauchen länger um sich auf den Menschen einzulassen, bei anderen geht es schneller und nicht selten hängt das mit der Vergangenheit des Pferdes zusammen.
Vertrauen kommt nicht von heute auf morgen und ich bin fast der Überzeugung, dass es immer weiter wächst und es kein wirkliches „Endstadium“ gibt.
Oft steht man sich selbst im Weg, weil man dem Pferd misstraut. Und wer vertraut schon jemandem wo er merkt, dass dieser einem eher negativ gegenübersteht?
Es sind viele Dinge die zusammen spielen wenn es um Vertrauen geht.
Mit Bodenarbeit, Zirkuslektionen etc. kann man das ganze unterstützen, jedoch ist das meiner Meinung nach nur sinnvoll wenn Pferd und Mensch Spaß daran haben und man sich nicht zu sehr darauf versteift.
Ob wir vertrauenswürdig sind oder nicht entscheidet letztendlich unser Pferd und dieses entscheidet aufgrund dessen, wie wir uns ihm gegenüber verhalten.
Blue sieht mich jeden Tag, ich komme nicht nur wenn ich reiten will etc. sondern auch einfach so. Während ich am füttern und sauber machen bin kommt er immer mal vorbei und will gekratzt werden. Er hat die Möglichkeit sich mitzuteilen und ich kann mich entsprechend seiner Bedürfnisse um ihn kümmern. Manchmal rennen wir spontan über die Weide, ich kratze und kraule ihn und bin einfach anwesend. Ich will nichts direkt von ihm und er kann frei entscheiden ob er zu mir kommt oder nicht. Er spürt meine Anwesenheit und nimmt diese wahr und das ganz ohne irgendeine Bedingung und ich merke immer wieder wie wichtig das ist.
Wie ihr seht gibt es keine wirkliche Antwort auf die Frage „wie bekomme ich mein Pferd dazu mir zu vertrauen“. Es gibt keine Anleitung dafür und es dauert Jahre Vertrauen aufzubauen.
Sucht nicht danach, versteift euch nicht auf das Wort „Vertrauen“. Wer nicht sucht, der findet ja bekanntlich. Beschäftigt euch fair mit eurem Pferd, verhaltet euch vertrauenswürdig und irgendwann ist es einfach da. Gebt eurem Pferd einen Grund weshalb es euch vertrauen sollte.
Der Schlüssel zum Vertrauen liegt vor allem in zwei Dingen: Geduld und Zeit!


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