Blue und die Nachtblindheit

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Wie die meisten sicher wissen, ist Blue nachtblind. Da dieser Begriff für viele neu ist, sich viele nichts darunter vorstellen können und ich oft dazu befragt werde, möchte ich heute auf das Thema etwas eingehen.

Nachtblindheit- was ist das?
Die Nachtblindheit hat mit einem bestimmten „Gen“ zu tun und ist gerade beim Appaloosa nicht selten. Es hat mit dem sogenannten „Leopard-Farbmuster“ (LP oder auch Tigerschecken-Komplex genannt) zu tun. Pferd die Lp-Doppelträger sind, sind oftmals nachtblind. Bärli und Melody haben diese Nachtblindheit nicht, da sie nicht unter dieses Farbmuster fallen.
Auch wenn viele sich unter Nachtblindheit etwas Spektakuläres vorstellen, so ist das Wort eigentlich selbsterklärend. Ein Pferd welches nachtblind ist, sieht ab einer bestimmten Dunkelheit nichts mehr und ist sozusagen blind.
Bei einer genetisch bedingten Nachtblindheit wird die Sehfähigkeit bereits in der Dämmerung deutlich herabgesetzt. Dabei kann die Nachtblindheit aber auch sehr unterschiedlich sein, manche Pferde sehen bei Nacht nur noch sehr wenig und andere sind komplett blind.
Wer sich genauer mit dem Gen auseinander setzen möchte, der kann hier etwas mehr darüber nachlesen, dort wird es meiner Meinung nach gut erklärt: http://www.barnboox.de/pferdewissen/pferde-zucht/vererbungslehre/alles-ueber-tigerschecken/

Augen
Wie äußerte sich die Nachtblindheit bei Blue?
Ursprünglich war unsere Vermutung, dass Blue aufgrund seiner verschiedenfarbigen Augen eine Sehschwäche hat. Besonders ausfällig war es aber im Winter, da wir in dieser Jahreszeit immer füttern wenn es dunkel ist.
Blue kennt seine Umgebung und kann sich daher auch im Dunklen gut darin zurechtfinden, auffällig wurde es wirklich nur bei sehr genauen Dingen. Er wusste z.B. wo seine Futterschüssel hing, da die Trefferquote jedoch doch recht gering ist kam es z.B. vor, dass er voller Überzeugung sein Maul in die Schüssel stecken wollte und dabei die Schüssel um wenige cm verfehlte. Danach hat er sich eben mit dem Maul heran getastet und letztendlich die Schüssel gefunden.
Auffällig war es vor allem bei Dingen, die im Dunklen verändert wurden. Wie beispielsweise ein Schubkarren, den braucht man zum sauber machen aber normal steht er natürlich nicht mitten im Weg. So kam es, dass Blue ungebremst das ein oder andere Mal voll in den Schubkarren rein ist. Erzählte man Leuten das, hörte man oft „der hat einfach einen dicken Kopf und er macht das absichtlich“. Aber dass ein Pferd ungebremst freiwillig in einen Schubkarren rennt, wo es sich verletzen kann, halte ich für eher unwahrscheinlich. Sobald er Widerstand merkt, blieb er stehen und rührte sich nicht mehr bis man ihn befreit hatte. Auch bei anderen Dingen wo man eben etwas genauer sein musste wie z.B. Tränke, Heuraufe usw. merkte man, dass er da schon genau mit dem Maul ertastet wo eben die entsprechenden „Lücken“ waren um zu Trinken oder ans Heu zu kommen. Ein Mal hatten wir nachts den Weidezaun verändert. Ich habe Blue dann mitgenommen und er ist genau an der Stelle wie angewurzelt stehen geblieben, wo vorher der Zaun war. Und er hat sich echt auch nicht vom Fleck bewegt, bis ich ihn davon überzeugen konnte, dass der Zaun weg ist.
Ich stelle es mir mittlerweile so vor, dass Blue kurzzeitig blind irgendwo rein laufen muss. Ob das wirklich so ist weiß ich nicht, aber dadurch kann ich mehr Geduld und Verständnis aufbringen um solche Situationen zu meistern wo er mir wirklich vertrauen muss. Doch wenn einem die Sehkraft genommen wird (auch wenn nur kurzzeitig) so ist das trotzdem verunsichernd. Steht die Sonne recht tief und reiten wir darauf zu hat er da oftmals Probleme mit und wird unsicher. Vor allem die Kombination tief stehende Sonne und Schatten machen ihm Probleme was seine Sicht betrifft.

Wie wurde die Nachtblindheit diagnostiziert?
Ich gebe ehrlich zu, selbst wäre ich niemals auf die Idee mit der Nachtblindheit gekommen. Denn meiner Meinung nach ist dieses Handicap sehr unbekannt. Noch nie habe ich zuvor davon gehört und soweit ich weiß ist die Forschung bei der Nachtblindheit auch noch nicht so extrem weit.
Da Blue diese Auffälligkeiten hatte, habe ich mir natürlich Sorgen gemacht, dass er eventuell eine Augenkrankheit hat und vielleicht irgendwann komplett blind ist. Richtig sagen konnte ich nämlich nicht wann er schlecht sieht. So wurde er das erste Mal 2011 untersucht, damals bekam ich gesagt, dass seine Augen verzögert reagieren. Bei einem Lichtwechsel (von der Sonne in den Schatten und umgekehrt) brauchen seine Augen länger um sich umzugewöhnen. 2012 waren wir noch mal in einer Klinik um ein aktuelles Röntgenbild vom Knie machen zu lassen. In dieser Klinik war auch eine Ärztin die sich auf Augen spezialisiert hat und so machte ich dort auch noch mal einen Termin aus. Die Ärztin sagte mir ziemlich schnell, dass mit den Augen soweit alles in Ordnung ist. Aufgrund seiner Rasse, des Aussehens und meiner Schilderungen gehe sie aber davon aus, dass Blue nachtblind ist. Sie erklärte mir einiges und gab mir Infos mit. Damals gab es nur eine Klinik ziemlich weit weg von uns, die näheres herausfinden könnte. Den weiten Weg wollte ich Blue aber ehrlich gesagt nicht zumuten und mir reichte die Information aus, dass seine Augen in Ordnung sind, sich der Zustand nicht verschlimmern würde und ich eine „Diagnose“ hatte.

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Leben mit der Nachtblindheit
Im Prinzip hatten wir viele Jahre, wo ich von der Nachtblindheit gar nichts wussten. Es gab Auffälligkeiten, aber nichts weswegen man sich besondere Gedanken hätte machen müssen.
Natürlich haben wir im Alltag unsere Probleme zu bewältigen, aber ich kann mich auf ihn verlassen, er vertraut mir und das ist bei so einem Pferd natürlich wichtig. Ich kann aus dem Wald in die Sonne mit ihm galoppieren und umgekehrt genauso! Ich nehme Rücksicht auf ihn und versuche nachvollziehen zu können wann er wo Probleme hat, also nehme ich ihn (sinngemäß gesprochen) an der Hand und führe ihn.
Rückblickend waren viele Dinge für mich noch wertvoller als vorher, denn ich bin teils im Dunklen mit Blue auf dem Platz etc. galoppiert und er ist angaloppiert obwohl er nichts gesehen hat. Er hat sich bei Nacht hingelegt und er ist mir immer gefolgt. Im Nachhinein war ich etwas traurig, denn ich hab es als „normal“ angesehen und manchmal habe ich ihm vielleicht sogar Unrecht getan, weil ich dachte er „stellt sich nur an“.
Ich bin der Meinung, dass er nachts komplett blind ist, so zumindest verhält er sich wenn er z.B. Sachen sucht. Sollte er doch ein wenig was sehen ist das so, aber es ändert nichts daran, denn sein Sehvermögen ist eingeschränkt und viel kann er nicht sehen.
Und wie oben schon gesagt, gehe ich von dem „schlimmsten“ aus so kann ich am verständnisvollsten reagieren. Denn so unterstelle ich meinem Pferd nicht, dass es das doch hätte sehen müssen (weil er evtl. ein bisschen noch sieht).
Ja, es ist manchmal kompliziert und anstrengend mit einem Pferd das solch ein Handicap hat, aber ja, manche Sachen werden dadurch viel wertvoller. Und letztendlich haben wir uns mit der Situation gut arrangiert.
Wenn er abends beim füttern auf den Schubkarren zusteuert, dann muss ich nur „Steh“ rufen (ganz egal wo ich stehe) und er bleibt so lange stehen bis ich zu ihm komme und ihn „befreie“.
Soweit es möglich ist, versuche ich es zu vermeiden bei Dunkelheit mit ihm unterwegs zu sein. Aber selbst wenn es doch vorkommt, so klappt das problemlos. Blue wird nicht kopflos oder extrem nervös. Manchmal wird er etwas unsicher, aber sobald ich mit ihm rede und ihn berühre lässt das nach.
Eigentlich haben wir durch die Nachtblindheit kaum Einschränkungen, da wir so eine gute Beziehung zueinander haben, dass es uns nicht behindert. Es ist also nicht schlimm, wenn man ein Pferd hat welches nachtblind ist, solange man etwas Rücksicht darauf nimmt.
Es gibt Pferde die haben einen Reiter mit Handicap und dann gibt es Reiter die haben ein Pferd mit einem Handicap. Wir gehören wohl zu letzterem.
Doch es ist egal mit welchen „Problemen“ man zu kämpfen hat, wichtig ist, was man daraus macht.
Auch ich musste über die Jahre lernen mit diesen Situationen umzugehen.
Doch ich weiß, ich kann mich auf ihn verlassen! Er weiß, er ist bei mir sicher, ich passe auf ihn auf und er kann mir vertrauen. Er startet keine Alleingänge, sondern orientiert sich an mir. Hat er beim Ausritt Angst vor etwas, weil er es nicht richtig sieht, so geht er trotzdem mit mir vorbei oder auch durch. Selbst wenn es stockdunkel ist geht er mit mir überall hin, legt sich sogar hin obwohl er sozusagen „blind“ ist. Da bekommt das Wort „blindes Vertrauen“ eine andere Bedeutung.
Wir haben es auch nicht immer leicht und mit einer solchen Situation umzugehen ist wirklich nicht einfach – vor allem wenn man sie nicht ändern kann. Doch wenn man bedenkt, was ich mit Blue trotz dieser „Probleme“ erreicht habe, dann sieht man auch da wieder – alles ist möglich. Keine Hürde ist zu groß!
Irgendwie haben wir doch alle unsere Probleme. Die einen mehr, die anderen weniger. Wichtig ist, dass man sich von so etwas nicht unterkriegen lässt, egal wie schwer es ist!
Mit den Jahren haben wir gelernt damit umzugehen und auch die Nachtblindheit hält uns nicht davon ab das zu machen was uns Spaß macht.
Nachtblindheit


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