Erfolg um jeden Preis?

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Es ist eine Sache, die jeder für sich selbst entscheiden muss. Denn dazu gehört manchmal auch, sich selbst zurück zu stellen. Sicher, nicht jedem fällt das leicht und manchmal muss man auch erst einmal eine Bruchlandung hinlegen, ehe man sich darauf besinnt. Andere sind dabei der Meinung „egal, ich will und das ist Grund genug.“
Eine Denkweise, mit der ich persönlich nie glücklich werden könnte. Es ist für mich selbstverständlich, dass ich zuerst im Sinne meines Pferdes handle und mich selbst zurück stelle. Dabei fällt es mir eigentlich nicht schwer, denn kein Erfolg und kein Geld der Welt ist es mir wert, die Beziehung zu meinem Pferd aufs Spiel zu setzen.
Ich hatte durchaus schon Anfragen, bei tollen und großen Veranstaltungen mitzuwirken.
Ganz ehrlich, ich habe mich bei der ersten Anfrage unglaublich darüber gefreut. Gleichzeitig stand aber innerhalb weniger Sekunden fest, ich werde diese Chance nicht nutzen – meinem Pferd zuliebe.
Ja, es wäre eine tolle Erfahrung gewesen und wenn wir ehrlich sind auch vielleicht fürs eigene Ego ein Schub gewesen. Doch seien wir ehrlich, es wäre nur darauf hinaus gelaufen, dass ich davon etwas gehabt hätte, Blue jedoch nicht.
Auf der einen oder anderen Veranstaltung hätten wir sicherlich Spaß gehabt. Doch ein k.o. Kriterium ist vor allem in erster Linie immer eines gewesen – die Entfernung.
Von Anfang an waren einige Dinge für mich klar, wenn ich mit Blue eine Vorführung gebe.
1. Die Strecke sollte eine gewisse Fahrtzeit nicht überschreiten, denn nach 5 Stunden Fahrt (oder länger) ist sicher auch Blue nicht so begeistert alleine in einer fremden Umgebung zu sein.
2. Mit der Entfernung kommt natürlich auch ein 2. Problem. Man kann nach Ende der Vorführung nicht mal eben nach Hause fahren. Blue kennt keine Box und die Möglichkeit, das Pferd in einen kleinen Offenstall zu stellen oder auf eine Weide ist meistens nicht gegeben. Doch ich möchte mein Pferd nicht in eine Box stellen oder daran gewöhnen, nur weil ich in erster Linie an mich denke. Durch seinen Kniebruch habe ich sowieso gesagt, dass Blue mir nie in eine Box kommt, daher wüsste ich auch gar nicht wie er gesundheitlich reagieren würde, wenn er nicht seine gewohnte Bewegungsmöglichkeit rund um die Uhr hat.
3. Durch seine Nachtblindheit würde ich ihn ebenfalls ungerne alleine stehen lassen, wenn er einen Pferdefreund dabei hat, dann ist es auch kein Problem für ihn sich nachts in einer fremden Umgebung zurechtzufinden.

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Blue sollte, wenn wir so etwas machen, auch Spaß dabei haben und das hat er nicht, wenn ich ihn in eine Box sperre und ihn vorher mehrere Stunden durch die Gegend gefahren habe. Dadurch ist mir sicher die eine oder andere Möglichkeit „flöten“ gegangen. Doch wenn ich ehrlich bin, dann habe ich das nie bereut. Denn im schlimmsten Fall würde ich damit die gute Beziehung, die ich mit Blue habe kaputt machen. Einige kleinere Auftritte hatten wir ja durchaus schon. Wobei ich auch da eine Menge gelernt habe, denn dieser extreme Ehrgeiz ist einfach weg. Die ersten Vorführungen waren nicht so gelungen und weit weg von dem, was wir zu Hause können. Doch ich habe mich allgemein davon verabschiedet in einer fremden Umgebung das zu wollen, was wir zu Hause machen. Ich gucke einfach was geht und was Blue anbietet und wenn eben mal was nicht funktioniert, dann ist das so. Wir machen das, was für uns ok ist und nicht das, was andere von uns erwarten. Denn ich habe ein Lebewesen, kein Gerät das funktioniert wenn ich den Knopf drücke und etwas unter Druck oder Zwang zu machen, entspricht nicht unseren Grundsätzen miteinander zu arbeiten.
Manche konnten meine Entscheidung damals nicht verstehen „das ist eine einmalige Chance, mach das!“ „Die paar Stunden im Hänger wird er schon überleben“ bis zu „also ich würde es sofort machen, es wäre dumm abzusagen.“
Doch mir war sofort klar, es wäre falsch diese Möglichkeit zu meinem alleinigen Vorteil zu nutzen. Und ich habe Blue versprochen, ich werde immer versuchen in seinem Sinne zu handeln, egal um was es geht. Auch wenn es bedeutet, mich selbst dabei zurück zu stellen.
Mit Blue habe ich eben ein Pferd, welches vor allem gesundheitlich einiges hinter sich hat.
Ich bin froh, dass er das überhaupt so gut weggesteckt hat und wir kaum Einschränkungen haben. Doch es gibt eben gewisse Grenzen und manche Pferde sind einfach nicht dafür gemacht
quer durch Deutschland auf verschiedenen Veranstaltungen aufzutreten und mir ist bewusst, dass Blue so ein Pferd ist. Blue liebt den Applaus und wenn Menschen ihn bewundern, aber er freut sich anschließend auch wieder auf die Ruhe, die er „zu Hause“ hat. Seine gewohnte Umgebung und seine bekannte Herde, die ihm in der Dunkelheit hilft. Das ist aber absolut ok und wir haben trotzdem unseren Spaß, auch wenn kein Publikum dabei ist. Und irgendwie ist es zu Hause doch am schönsten.
Große Auftritte, Menschenmassen und Veranstaltungen die über mehrere Tage gehen sollte man eben denen überlassen, denen das liegt. Für uns ist das nichts und uns liegen eher kleine Auftritte, wo wir anschließend immer wieder nach Hause können.
Doch wenn einem das bewusst ist und man entsprechend handelt, dann ist das überhaupt kein Problem.

Kein Erfolg und auch kein Geld der Welt ist es wert, die Beziehung zu meinem zu riskieren.

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