Entscheidungen

Entscheidungen

Wer ein Tier hat, der trifft eigentlich regelmäßig Entscheidungen. Manche fallen einem leicht, andere wiederum sind eher schwierig. Ganz streng genommen entscheiden wir über ein Lebewesen, was wir voll und ganz in der Hand haben. Unsere Pferde müssen mit unseren Entscheidungen leben, egal ob sie damit „einverstanden“ sind oder nicht.
Das ganze fängt damit an wo ich mein Pferd unterstelle, wie es gehalten wird, welches Futter es bekommt etc. Ja, als Pferdebesitzer trifft man eine Menge Entscheidungen und ja, manchmal sind diese auch falsch. Oftmals können wir jedoch eine falsche Entscheidung korrigieren.
Manche Situationen sieht man kommen, wodurch genug Zeit bleibt um zu überlegen „was mache ich?“. Aber manchmal bleibt uns keine Zeit lange zu überlegen, denn eine Entscheidung muss JETZT getroffen werden.
Es kann daher durchaus sinnvoll sein, sich im Voraus Gedanken zu machen.
Glücklicherweise hatte ich bis jetzt noch nicht den Fall, sofort entscheiden zu müssen. Meist blieb mir genug Zeit. Zum einen war das der Bruch von Blue, wodurch die Frage nach dem einschläfern sehr früh gestellt wurde.
Mit den Jahren macht man sich so seine Gedanken. Immerhin kann das Pferd jederzeit krank werden. Da stellt sich natürlich die Frage, in wie weit lasse ich mein Pferd behandeln? Wann ist der Zeitpunkt zu sagen, es geht nicht mehr.
Ich weiß, dass es Menschen gibt die grundsätzlich z.B. gegen eine Kolik-OP sind. Es ist auch vollkommen ok, wenn jemand diese Einstellung hat.
Durch Blue’s Bruch war früh klar, es ist egal in wie weit er noch reitbar etc. ist, so lange er schmerzfrei leben kann, darf er leben. Doch wenn Blue nur noch Schmerzen hat, ein Leben ausschließlich mit Medikamenten möglich ist und es keine Heilungschancen gibt, dann würde ich ihn erlösen.
Es kommt selbstverständlich immer auf den Einzelfall drauf an. Daher würde ich auch einer OP zustimmen, wenn eine Heilungschance besteht sowie ein normales Leben anschließend möglich ist.
Ja, ich würde alles für mein Pferd tun damit er wieder gesund wird – aber eben nicht um jeden Preis. Viele Menschen die vor so einer Entscheidung standen und eine gute Beziehung zu dem Tier hatten erzählen, dass man i.d.R. merkt, wenn das Pferd nicht weiter kämpfen möchte. So hart dieser Moment auch ist, ich würde ihn respektieren. Natürlich hoffe ich, dass Blue mir in dem Moment das genau so deutlich zeigt wie all die Jahre zuvor, wenn etwas nicht stimmte. Wenn es sich um was sehr spezielles handelt, so würde ich mir definitiv auch eine zweite Meinung einholen.
Doch ich habe Blue vor vielen Jahren mal ein Versprechen gegeben: „In Deinem Leben werde ich versuchen immer alle Entscheidung so zu treffen, dass sie für DICH am besten sind, auch wenn es bedeutet, dass sie es nicht für mich sind.“ und ich werde so gut es möglich ist dieses Versprechen bis zum Ende halten. Ich stelle mich gerne zurück, wenn es um Blue geht. Mir ist es wichtig, dass es ihm gut geht, denn nur dann geht es auch mir gut. Immerhin verbringt er täglich die meiste Zeit ohne mich.
Wenn unsere gemeinsame Zeit endet, dann will ich mir keine Vorwürfe machen, weil ich zu egoistisch gedacht und gehandelt habe.

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Ein Mal hatte ich es tatsächlich, dass ich recht spontan eine Entscheidung treffen musste. Blue hatte sich den Zahn abgebrochen, genau so weit, dass der Nerv frei lag. Irgendwann entzündete sich der Zahn, sodass wir in die Klinik mussten. Eigentlich ging ich davon aus, dass es keine andere Möglichkeit gab als den Zahn zu ziehen. Da die Klinik aber auf Zähne spezialisiert war, wurde mir dort erklärt, dass man auch eine Zahnwurzelbehandlung durchführen könnte um den Zahn zu retten. Ich fühle mich schon schlecht, denn nun musste ich entscheiden, ob ich Blue um einen Zahn beraube oder nicht. Für manch einen mag das nicht besonders „schlimm“ klingen, aber in dem Moment wurde mir bewusst, dass Blue – egal welche Entscheidung ich treffe – damit leben muss. Die Zahnwurzelbehandlung wäre aufwendiger und teurer gewesen, doch das hat mich eigentlich nicht davon abgehalten. Ich hatte einige Minuten um zu entscheiden, stand bei Blue, hörte auf mein Bauchgefühl und beschloss, dass der Zahn gezogen wird. Letztendlich stellte sich heraus, dass es die richtige Entscheidung war. Der Zahn war schon so beschädigt und „kurz“, dass man ihn eh nicht hätte retten können.
Im Endeffekt treffe ich meine Entscheidungen alle mit Blue zusammen. Wir haben eine tolle Beziehung zueinander und verstehen uns eigentlich blind. Mein Bauchgefühl liegt meistens richtig und ich würde behaupten, ich verstehe Blue sehr gut. Er weiß, dass er seine Meinung sagen darf und wenn etwas ist, dann teilt er das auch sehr bestimmend mit. Nicht alle Sachen lassen sich im Voraus klären, wer sich aber über grundsätzliche Fragen schon vorher Gedanken gemacht hat, der wird nicht ganz so ins kalte Wasser geworfen. Darunter Fallen so Fragen wie würde ich mein Pferd überhaupt operieren lassen? Wie weit würde ich gehen? Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein? usw.
Sich darüber Gedanken zu machen bedeutet nicht, dass wir nie in solche Situationen kommen werden. Grundsätzlich wird uns so was immer aus der Bahn werfen, wer aber im Voraus schon weiß was in Frage kommt oder nicht, der wird im Zweifel dann doch eher einen kühlen Kopf behalten. Machen wir uns nämlich frühzeitig Gedanken um etwas, so haben wir häufig genügend Zeit uns damit auseinander zu setzen. Außerdem gibt es uns die Möglichkeit, sich mit anderen über gewisse Themen auszutauschen. Natürlich kann sich mit den Jahren eine Meinung auch ändern, daher ist es bestimmt nicht verkehrt seinen gedanklichen Leitsatz von Zeit zu Zeit zu „überprüfen“. Im besten Fall macht man sich Gedanken über Dinge, die nie eintreten. Wenn dieser Fall jedoch eintritt, dann sind wir zumindest nicht ganz so unvorbereitet. Letztendlich kommt so etwas immer ohne Vorwarnung und schön ist es nie, egal welche Diagnose. Aber ich persönlich fühle mich einfach wohler, wenn ich mir vorher über gewisse Dinge schon mal Gedanken gemacht habe. Auch wenn ich mir natürlich trotzdem wünsche, dass der Fall xy nicht eintritt. Denn im Grunde haben wir doch alle lieber ein gesundes Pferd auf der Weide stehen.


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