Das Bauchgefühl

Immer wieder ist die Rede vom Bauchgefühl. Manche sind der Meinung, dass es völliger Schwachsinn ist und man sich auf die „Fakten“ konzentrieren sollte. Doch meiner Meinung nach ist es ziemlich wichtig darauf zu hören, nicht nur wenn es um die Arbeit mit dem Pferd geht. Teilweise ist es schwer zu unterscheiden ob es wirklich ein Gefühl ist oder aber man sich etwas einredet. Als Kinder haben wir sicher instinktiv mehr auf unser Bauchgefühl gehört. Doch im Alter verdrängt man das häufig, weil man denkt „vernünftig“ und „erwachsen“ entscheiden zu müssen. Aber im Prinzip tragen wir dieses „Bauchgefühl“ in uns und es ist durchaus möglich dieses zuzulassen.

Bauchgefühl

Warum ich das erzähle? Weil es meiner Meinung nach durchaus eine große Rolle spielt, wenn man mit dem Pferd arbeitet. Ich versuche meine Entscheidungen auch mit dem Bauch zu treffen, wie man so schön sagt. Dabei kann ich nicht immer direkt erklären warum ich mich so entscheide, einfach weil es ein Gefühl ist und ich muss sagen, zu 99,9% hat mein Gefühl recht. Natürlich kann es passieren, dass man sich manchmal zu sehr in etwas hinein steigert. Wenn das passiert, dann schaltet man häufig das Bauchgefühl aus und der Kopf gewinnt die Kontrolle. Ich will damit nicht sagen, dass man nie Entscheidungen mit dem Kopf treffen sollte. Bei mir persönlich ist es so, dass ich versuche einen gesunden Mittelweg zu finden.
Doch vor allem wenn ich mit Pferden arbeite, versuche ich viel darauf zu hören. Fühlt man sich, aus welchen Gründen auch immer, unwohl so sollte man es lassen. Meistens geht es dann nämlich schief.
Blue ist sehr fein ausgebildet und wir kommunizieren viel miteinander. Es ist i.d.R. kein Problem mit ihm eine gemütliche Runde ins Gelände zu gehen oder ohne alles/mit Halsring zu reiten. Trotzdem gibt es Tage, da würde ich das nicht tun, einfach weil mein Bauchgefühl nicht stimmt. Denn immer wenn ich dieses ignoriert habe oder dachte „komm, das geht schon“ ist was passiert. Das muss nicht mal etwas dramatisches sein, aber irgendwas lief schief. Denn natürlich hat Blue auch mal einen schlechten Tag, da geht es ihm wie mir. Früher ist mir das häufiger passiert, mittlerweile ist es eigentlich eher selten, da ich eben mehr auf mein Gefühl vertraue.
Es gibt sogar Tage, da habe ich z.B. vor Blue zu longieren und am Ende haben wir Freiarbeit gemacht oder lagen einfach nur auf dem Boden rum. Der Grund? Irgendwie hat es an dem Tag nicht gepasst und auch Blue hat mir signalisiert, dass da heute der Wurm drinnen ist. Auf der anderen Seite kam ich auch schon auf die Weide, wollte Stangenarbeit machen und Blue ist förmlich weggelaufen und hat signalisiert „keine Lust“. Normal nehme ich so etwas schon wahr, doch da gibt es dann auch die Tage wo mein Bauchgefühl mir sagt „doch, es ist richtig das zu tun, auch wenn Blue nicht will“. Da Blue durch den Kniebruch zu Verspannungen neigt, können diese dazu führen, dass Blue sich unwohl fühlt und eigentlich nichts machen will. Gerade dann ist aber z.B. Stangenarbeit gut um ihn zu lösen. Kam das vor und ich habe mich aufgrund meines Bauchgefühls doch dafür entschieden nicht auf Blue zu hören, so war es i.d.R. immer richtig. Denn anschließend war Blue sehr zufrieden und es ging ihm viel besser. War er am Anfang eher steif und hatte keine Lust zu laufen, so war er am Ende richtig locker und sehr lauffreudig.
Ihr merkt, es gibt kein direktes Schema wie man in welcher Situation reagieren sollte. Jeder Tag ist anders, jedes Pferd ist anders und natürlich auch jeder Mensch. So müssen wir uns tagtäglich auf neue Situationen einstellen und wenn wir ehrlich sind, so ist das stark davon abhängig wie es uns geht. Denn unser Pferd hält uns i.d.R. nur einen Spiegel vor.

Dein Pferd ist dein Spiegel. Es schmeichelt dir nie. Es spiegelt dein Temperament. Es spiegelt auch seine Schwankungen.
Ärgere dich nie über dein Pferd; du könntest dich genauso gut über dein Spiegelbild ärgern.

Rudolph C. Binding

Bauchgefühl1

Unser Bauchgefühl ist finde ich eines der wichtigsten Dinge die wir in der Arbeit mit Pferden nutzen sollten. Aber wir müssen uns auch darauf einlassen und sicher wird es anfangs schwierig dieses Bauchgefühl richtig zu deuten, wenn wir es sonst unterdrücken. Möglicherweise kommt man auch immer mal wieder an den Punkt, wo man das Bauchgefühl ignoriert. Gründe gibt es viele, weil wir vielleicht jemanden nicht enttäuschen wollen, da wir uns von anderen Leuten unter Druck gesetzt fühlen oder weil wir denken eine gewisse Leistung abliefern zu müssen. Doch dann wird Dein Pferd Dir wieder den Spiegel vorhalten und Dir zeigen, dass es falsch war und eigentlich darfst Du ihm noch nicht mal böse sein. Richtig wäre es nämlich, wenn Du Dich über Dich selbst ärgerst und nicht über Dein Pferd.
Die Sache mit dem Bauchgefühl ist sehr komplex und im Prinzip ist das eine Sache die wir lernen müssen. Wir müssen bewusst wahrnehmen, was uns unser Körper/Unterbewusstsein mitteilt. Das kann auch in anderen Bereichen sehr hilfreich sein. Wer seinen eigenen Körper gut kennt/versteht und alles wahrnimmt was er einem mitteilt, der wird Probleme schneller erkennen. Und wer Probleme erkennt, der kann diese auch schneller lösen. Noch dazu lassen sich manche Dinge sogar vermeiden. Wichtig ist, dass wir tatsächlich unser Bauchgefühl wahrnehmen und dieses nicht damit vermischen, was wir gerne „hören“ wollen. Denn natürlich kann die „Antwort“ manchmal auch anders ausfallen, wie wir das gerne hätten. Doch meistens ist das erste Gefühl, was wir bei einer Sache haben richtig. Daher ist es wichtig darauf zu hören, denn oftmals erspart es uns auch eine frustrierende Einheit mit dem Pferd. Grundsätzlich würde ich mich nicht als spirituellen Mensch bezeichnen, auch wenn dieser Beitrag möglicherweise danach klingt. Aber manchmal war es ein „Bauchgefühl“ was uns weiter geholfen hat, wenn wir bei einer Lektion z.B. nicht weiter kamen. Manchmal sollten wir unser Intuition vertrauen, dabei sollte man den Kopf aber nie ganz ausschalten. Im besten Fall ergänzen sich Bauchgefühl und Verstand.


Ein Gedanke zu “Das Bauchgefühl

  1. Ich hab auch gelernt besonders im Umgang mit Pferden auf mein Bauchgefühl zu hören, denn ich hab ähnliche Erfahrungen gemacht wie du, mein Bauchgefühl hat meistens recht.

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