Egoismus dem Pferd gegenüber

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Wie egoistisch darf ich gegenüber meinem Pferd sein?
Oder wie viel Egoismus ist gut für eine Freundschaft? Hat Egoismus überhaupt dort etwas verloren?
Viele streben nach einer guten Zusammenarbeit mit dem Pferd. Das ist grundsätzlich nicht verkehrt, aber so etwas beginnt lange bevor ich auf mein Pferd steige oder neben ihm her laufe.
Vor allem im Winter ist dies ein großes Thema. Ihr alle wisst, was für eine wundervolle Schlammpackung Blue vor allem im Winter regelmäßig aufgetragen hat, oft genug gibt es Bilder. Leider bekam ich viel zu oft gesagt: „Mach doch eine Decke drauf und Dein Pferd ist immer sauber!“
Irgendwie fand ich diese Aussage egoistisch. Was wäre ich für ein Mensch wenn ich nur aus „Faulheit“ meinem Pferd eine Decke drauf packen würde und dadurch seine ganze Thermoregulierung und sein persönliches Wohlbefinden stören würde? Natürlich seufze ich manchmal wenn ich Blue sehe, der mal wieder alles gegeben hat bei seinem letzten Schlammbad. Aber es ist ok, er fühlt sich wohl und das ist mir persönlich wichtiger als alles andere. Dann wird er halt an manchen Stellen nicht so gründlich geputzt oder er bleibt je nachdem was wir machen einfach dreckig. Dann plane ich halt mehr Zeit ein, damit er an den wichtigen Stellen sauber ist und auch danach trocken ist wenn ich gehe. Ich mache das gerne, solange ich weiß, dass es meinem Pferd gut geht.
Ich persönlich finde es sehr egoistisch wenn man dem Pferd nur eine Decke drauf macht, weil man selbst zu faul zum putzen ist oder sich keine Zeit nehmen will, damit das Pferd nachher trocknet. Natürlich gibt es durchaus Gründe ein Pferd einzudecken, ich will damit nicht sagen dass es grundsätzlich nicht gemacht werden soll. Aber aus eigener Bequemlichkeit ist das für mich nicht nachvollziehbar. Und leider beobachtet man immer mehr den Trend, dass das Pferd eingedeckt wird aus Bequemlichkeit (oder weil alle das so machen). Das sind oft Pferde die gar nicht so häufig geritten werden und keine, welche in einem Ausmaß schwitzen wo man sagen könnte, die bekommt man danach nicht mehr trocken.


So ziemlich das Gleiche ist es mit der Haltung. Viele Pferde fristen ein Dasein 24 Stunden in der Box, nur damit der Mensch 2 Hallen, 3 Reitplätze und sonstigen Schnickschnack hat. Das ist natürlich bewusst etwas übertrieben ausgedrückt. Vor allem im Winter dürfen viele Pferde entweder überhaupt nicht raus oder haben ein Eck von 5×5 Meter wo nicht mal ein Galoppsprung möglich ist. Und das ganz häufig nur, weil viele in erster Linie an sich selbst denken. Da hat der „Freund“, das Pferd, halt einfach Pech gehabt. Damit will ich nicht sagen, dass jedes Pferd in einen Offenstall muss. Ein schlecht durchdachter/geführter Offenstall ist genauso schlimm wie ein Pferd welches 24 Stunden in der Box steht. Alternativen gibt es durchaus, aber dafür muss man Kompromisse eingehen.

Ich verbringe nur wenige Stunden am Tag im „Stall“, mein Pferd 24 Stunden


Ich persönlich stelle gerne meine eigenen Bedürfnisse hinter die meines Pferdes. Irgendwie denke ich auch, dass ich ihm das schuldig bin wenn es mich schon durch die Gegend trägt. So soll mein Pferd zumindest in meiner Abwesenheit ein artgerechtes Leben führen dürfen. Ich verzichte dafür gerne auf eine Halle und einen wetterfesten Reitplatz. Mir macht das nichts aus unser Training im Winter entsprechend anzupassen oder auch herunter zu fahren. Soweit muss natürlich nicht jeder gehen, es gibt genug alternativen.
In erster Linie sollte der Stall dem Pferd gefallen. Warum? Immerhin verbringt das Pferd (im Gegensatz zum Mensch) dort 24 Stunden am Tag, 12 Monate sprich 365/366 Tage im Jahr.
Unsere Pferde MÜSSEN mit den Entscheidungen leben, die wir treffen. Es ist meiner Meinung nach egoistisch, wenn man nur die eigenen Bedürfnisse vorne anstellt und die des Pferdes einfach ignoriert. Denn das Pferd ist u.a. ein Lauf- und Herdentier, dieses Wissen alleine sollte schon ausreichen gewisse Dinge zu überdenken.
Immerhin verbringt unser Pferd die meiste Zeit ohne uns. Ich persönlich bemühe mich stets Entscheidungen zum Wohle meines Pferdes zu treffen, auch wenn das bedeutet eigene Wünsche hinten anzustellen. Und spätestens wenn Blue glücklich und zufrieden bockend über die Weide rennt – voller Dreck natürlich – weiß ich, es ist richtig so und ich würde immer wieder zum Wohle meines Pferdes entscheiden.

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