Verladetraining – unser Weg zum stressfreien Verladen

hangertraining

Seit Fohlen an kannte Blue den Hänger und verband damit auch nichts schlimmes. Blue war ein absolutes Verlasspferd, wenn es ums verladen ging. Egal ob es ein völlig fremder Hänger war oder unser eigener. Blue lief zuverlässig rein, meistens sogar ohne mich und es dauerte bloß Sekunden und er stand brav drinnen. Er wurde immer vorsichtig gefahren und hat nie etwas schlimmes erlebt.
Leider änderte sich das alles 2006 und daran war niemand schuld. Diejenigen die uns nun schon jahrelang verfolgen wissen, dass 2006 der Kniebruch war. Wir mussten Blue natürlich in die Klinik fahren zum Untersuchen. Auch wenn man vorsichtig fährt muss ein Pferd sich im Anhänger ausbalancieren, da Blue beim belasten vom linken Hinterbein Schmerzen hatte, hatte er natürlich auch Schmerzen wenn er sein Gewicht in diese Richtung verlagerte.
Diese Fahrt war für ihn scheinbar so traumatisierend, dass er anschließend den Hänger mit Schmerzen verband. Das merkte man daran, dass er direkt Durchfall und Schweißausbrüche bekam. Manchmal fing er sogar an zu zittern, wodurch man ganz deutlich merkte, dass er Angst hatte.
Es war nie so, dass man Blue nicht in den Hänger bekam. Spätestens wenn man die Longe holte, ging er rein. Versuchte man es ohne, so riss er den Kopf hoch und rannte wieder rückwärts raus. Halt das typische Verhalten, wenn ein Pferd nicht in den Hänger möchte.
Ich muss aber ehrlich sagen, dass die Lösung mit der Longe für mich kein Dauerzustand gewesen wäre. Blue und ich arbeiten auf einer sehr freiwilligen Basis miteinander, das ging beim Hänger leider nicht und ich wollte das nicht. Ich wollte nicht, dass er Angst vor dem Hänger hat und nur mit Druck rein geht.
Während der Fahrt war Blue trotz allem immer ruhig. Wenn er drinnen war, hörte man nie etwas von ihm.

Nun wollte ich irgendwann einfach wieder die vorherige Situation zurück, dass Blue ohne Probleme in den Hänger geht.
Wie stellte ich das am besten an?
Da wir am Boden sehr viel zusammen arbeiten, war also für mich schnell klar, dass ich die Bodenarbeit auch nutzen wollte um Blue die Angst zu nehmen.
Da wir selbst einen Pferdeanhänger haben, konnte ich also üben so oft ich wollte und das tat ich vor allem 2012 einige Wochen lang sehr konsequent.
Den Anhänger nutzten wir dabei eher als „Spielzeug“ in der Bodenarbeit. Ich longierte Blue daran vorbei oder auch vor der Rampe. Der Hänger stand da, aber ich tat so als wäre da jetzt nichts besonderes. Ich ließ ihn direkt neben dem Hänger vorbei gehen, wie wenn er rein geht, nur eben am Hänger vorbei.
Angefangen haben wir auch damit, dass ich die Mittelwand zur Seite geschoben habe. So hatten wir beide genug Platz. Wenn man wirklich nur mit dem Hänger übt, ohne direkt wegfahren zu wollen, habe ich persönlich gute Erfahrung damit gemacht, wenn die Mittelwand nicht an ihrer ursprünglichen Stelle steht. Natürlich soll das Pferd später auch rein gehen, wenn sie normal steht. Doch zuerst einmal verfolgte man ja ein anderes Ziel.
Nämlich, dass das Pferd freiwillig und ohne Stress rein geht. Dabei konnte ich auch in kleinen Schritten vorgehen, da ich den Anhänger ja jederzeit zur Verfügung hatte.
Unsere ersten Einheiten machten wir bloß mit zur Seite gestellten Mittelwand. Die erste Einheit habe ich damals beendet, als Blue ein  Mal für kurze Zeit im Hänger war und ruhig wieder raus ging. Ich habe ihn nicht zu lange drinnen gelassen, damit ich bestimmen konnte, wann er wieder kontrolliert heraus gehen soll. So übten wir einige Wochen lang, zuerst longierte ich ihn drum herum und dann gingen wir an den Hänger.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Pferde sehr gut darauf reagieren wenn man sie in den Hänger „longiert“ und eben nicht voraus geht. So habe ich ihn seitlich mit dem Strick und der Gerte eingerahmt, während er alleine rein ist. Manchmal wollte er aber auch, dass ich zuerst rein ging und dann kam er nach.
Nachdem er relativ schnell in den Hänger ging, fing ich damit an ihn langsam länger stehen zu lassen. Auch habe ich ihn dann mehrmals hintereinander reingehen lassen. Während er im Hänger stand kraulte und kratze ich ihn dann an seinen Lieblingsstellen, damit er sich etwas entspannte.
Als das soweit super klappte, habe ich die Mittelwand richtig hin gestellt. Dann ist er auch so rein und nach etwas Übung fing ich dann an die Stange hinten zu schließen.

Wenn wirklich Angst dahinter steckt, sollte man meiner Meinung nach sich immer auch mit kleinen Fortschritten zufrieden geben. Denn bis ein traumatisierendes Erlebnis soweit aus dem Kopf ist, braucht es vor allem Zeit. So was funktioniert meiner Meinung nach nicht innerhalb weniger Tage.
Mit der Zeit wurde Blue immer entspannter und mittlerweile frisst er sogar wieder Heu im Hänger. Das hat er eine Zeit lang nicht gemacht.
Natürlich wurde er im Hänger immer ordentlich belohnt, kauen entspannt ja etwas und noch dazu verband er die Pferdeanhänger dann auch mit etwas positiven.
Ich bin total zufrieden und auch wenn wir längere Zeit nicht geübt haben, geht er relativ schnell in den Hänger. Wir haben uns dadurch über die Jahre wieder eine gute Grundlage erarbeitet um wirklich stressfrei verladen zu können. Die Schweißausbrüche haben wir so auch super in den Griff bekommen.
Zur Veranschaulichung habe ich euch auch ein Video gemacht. Leider habe ich aus der Zeit wo er wirklich gar nicht freiwillig rein wollte keine Videos. Dennoch sieht man denke ich im Video etwas verdeutlicht was ich oben beschrieben habe.
Mittlerweile können wir sogar etwas Blödsinn mit dem Hänger machen, das sollte man aber nicht einfach so nach machen.


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