Mein Trümmerbruch – ein Jahr danach

Genau ein Jahr ist es nun her, dass ich mir meinen Trümmerbruch zugezogen habe. Da ich immer wieder danach gefragt werde, wollte ich nun mal erzählen wie es mir seitdem ergangen ist.

Trümmerbruch

Wenn man das alles mal so ganz nüchtern betrachtet, dann gibt es an den Fingern laut Aussage der Ärzte keine dümmere Stelle als die, die bei mir gebrochen war. Warum? Bei mir war der 1 Mittelhandknochen am Daumen gebrochen. An der Hand ist der Daumen eigentlich der beweglichste Finger und häufig weiß man gar nicht wofür man ihn alles nutzt, so lange er „funktioniert“. In meinem Fall hatte ich mir dann noch die schlimmste Art eines Bruchs zugezogen – Trümmerbruch mit Gelenkbeteiligung. Also wenn schon, dann richtig! Trümmerbruch bedeutet, dass es mehrere Bruchstücke gibt. I.d.R. muss solch ein Bruch immer operiert werden. In meinem Fall habe ich eine Platte und 7 Schrauben in die Hand bekommen. Da mein Bruch schon sehr extrem war, hat man mir anfangs eigentlich gar nicht so viel Hoffnung gemacht. Ich sollte durchaus damit rechnen, dass die Beweglichkeit nicht wieder komplett hergestellt werden kann. Nicht gerade die schönsten Aussichten, aber was will man machen. Neben den ganzen „schlechten“ Nachrichten versprach der Arzt aber, dass er sich die größte Mühe geben wird, dass der Schaden so gering wie möglich ausfällt. Immerhin etwas beruhigendes, wobei ich davon ausgehe, dass er sich immer bemüht. Das Problem bei mir war zusätzlich, dass die Hand voller Blutergüsse war. Sie war dick sowie wochenlang lila und blau. Das schlimmste in der Zeit war eigentlich, dass man so unselbstständig ist, was ich ja bereits damals in meinem Blogbeitrag Ich mach das mit links erwähnt hatte. Man ist immer auf jemanden angewiesen, da nur eine Hand zur Verfügung steht. Von den Schmerzen wollen wir gar nicht erst reden. Die Schmerztabletten waren meine besten Freunde und selbst mit ihnen hatte ich noch ziemliche Schmerzen.
Grundsätzlich habe ich mich an alles gehalten was mir die Ärzte gesagt haben, auch wenn das manchmal schwer war. Als ich dann mit Physiotherapie anfing habe ich ebenfalls alle Übungen die ich machen durfte täglich gemacht. Teilweise hat mich da auch etwas der Ehrgeiz gepackt, denn ich wollte, dass dieser Finger wieder funktioniert und die Ärzte haben gesagt „die ersten Wochen sind entscheidend“. Manchmal kann die OP noch so gut verlaufen, wenn man nicht selbst einen Teil dazu beiträgt wird das nichts – von nichts kommt eben auch nichts.
Außerdem habe ich an mir selbst gemerkt, wie schnell doch die Muskulatur abbaut. An dem Daumen war zeitweise kaum noch was dran.
Im Prinzip habe ich es Blue nachgemacht, ich habe mir einen komplizierten Bruch zugezogen, aber er ist bestmöglich geheilt.
Von Anfang an war bei mir klar, dass das Metall nach 6 Monaten wieder raus soll. Ich habe u.a. eine Schraube im rechten Fuß, die seit 2012 drinnen ist und mich überhaupt nicht stört. Doch je beweglicher die Hand wurde, umso mehr hatte ich das Gefühl, dass das Metall mich einschränkt. Außerdem war die Stelle sehr empfindlich und ich war echt froh, als alles wieder raus kam.

Trümmerbruch1
Die Hand 2016 nach der 1. OP

Beide Operationen erfolgten unter Vollnarkose und selbst das raus holen hat über eine Stunde gedauert. Beim Einsetzen des Metalls weiß ich ehrlich gesagt gar nicht wie lange das gedauert hat. Aber irgendwie war mir zu dem Zeitpunkt auch so ziemlich alles egal, denn ich war froh als ich Mittags gegen 14:00 Uhr endlich dran kam. Denn seit 07:00 Uhr morgens war ich im Krankenhaus und habe auf meine OP gewartet. Selbstverständlich ohne essen und trinken. Wach war ich irgendwann so um 16:30/17:00 Uhr. Die erste Frage nachdem ich wieder auf der Station war, war natürlich „Wie ist es gelaufen?“ Die Antwort der Krankenschwester: „Ich weiß leider nicht wie es gelaufen ist und ein Arzt kommt erst morgen früh wieder.“ Das hat mich doch schon ziemlich geärgert, immerhin wusste ich noch nicht mal was ich nun in mir drinnen habe. Der Narkosearzt der während der Operation dabei war und mich noch mal besuchen kam, wusste aber glücklicherweise etwas mehr, so hatte ich zumindest eine grobe Auskunft bekommen.

Nun ist das Metall draußen und im Großen und Ganzen „funktioniert“ der Daumen wieder wie vorher. Bei Kleinigkeiten merke ich, dass doch eine minimale Einschränkung da ist. Allgemein mache ich mittlerweile viel mehr mit links als vorher. Denn anfangs konnte ich mit rechts überhaupt nichts machen. Um nicht wegen jeder Kleinigkeit jemanden fragen zu müssen wird man auch kreativer. So kam ich nach der 2. OP deutlich besser zurecht. Auch heute noch mache ich ohne darüber nachzudenken viele Sachen mit links. Meine Narbe ist wirklich nicht die schönste, aber der Bepanthen Narbenroller hat durchaus geholfen. Beim ersten Mal habe ich gar keine spezielle Narbenpflege betrieben, sondern normale Cremes etc. genutzt. Ich muss aber sagen, dass der Bepanthen Narbenroller zwar ziemlich teuer ist, aber tatsächlich ein besseres Ergebnis erzielt. Den kann ich daher wirklich empfehlen.
Insgesamt habe ich echt Glück gehabt, nun muss man schauen wie sich die Narbe entwickelt oder was man da so tun kann. Doch das ist glücklicherweise nur ein „optischer“ Mangel und mir ist es wichtiger, dass die Funktion wieder da ist. Als Rechtshänder ist man nämlich ohne die rechte Hand echt aufgeschmissen.
Es beweist aber mal wieder, dass egal wie schlecht die Prognosen sind, so was trotzdem gut ausgehen kann. Blue war natürlich ein großer Halt für mich und mir wurde mal wieder bewusst, dass so vieles im täglichen Umgang gar nicht selbstverständlich ist. Trotz meines Handicaps konnte ich Blue auch während meiner Krankheit zumindest ein bisschen versorgen. Das alles aber natürlich nur, weil unsere Zusammenarbeit allgemein gut funktioniert ohne, dass ich groß eine Hand etc. brauche. Vor allem Anfangs hat mir das sehr gut getan, denn da war ich schon ziemlich deprimiert und mitgenommen. Besonders psychisch hat mir das sehr gut getan regelmäßig bei Blue zu sein. Ich bin mir sehr sicher, dass er da durchaus einen positiven Teil zu meiner Genesung beigetragen hat. Ansonsten fällt einem nämlich schnell die Decke auf den Kopf, wenn man nicht viel machen darf. Heute, ein Jahr danach bin ich wirklich froh, dass ich alles hinter mir habe. Natürlich wird diese Stelle immer etwas anfälliger sein. Doch damit lernt man zu leben und grundsätzlich komme ich sehr gut klar.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s