Schwarz oder Weiß? Anders bedeutet nicht falsch!

schwarz-weiß
Foto: Nora Smith / Das gestiefelte Pferd

In der Pferdewelt gibt es eine Sache die mich wirklich stört und zwar dieses typische Schwarz/Weiß Denken. Ich denke wir kamen alle schon mal an den Punkt wo wir einfach nur den Kopf geschüttelt haben. Manchmal ist es nämlich definitiv besser, wenn man einfach den Mund hält, da man ansonsten gegen eine Wand spricht.
Grundsätzlich bin ich offen für alles und kann auch eine andere Meinung akzeptieren. Wenn mir jemand plausibel erklärt, wieso er etwas genau so macht, dann ist das für mich absolut in Ordnung, auch wenn ich es vielleicht trotzdem anders machen würde. So ein Blick über den Tellerrand hat noch keinem geschadet. Es gibt aber „Trainingsmethoden“ wo Menschen überhaupt keine andere Meinung zulassen. Nicht zwingend ist die Methode grundsätzlich falsch, manchmal sind es einfach Trainer die ein falsches Bild vermitteln.
Was ich aber wirklich hasse ist, wenn Menschen sich hinstellen und sagen „Nur die Methode XY ist der einzig richtige Weg um mit Pferden zu arbeiten“.
Nein, einfach nur Nein!
Denn es gibt nicht immer nur eine Lösung, auch Pferde sind sehr unterschiedlich. Nicht jede Methode ist für jedes Pferd „die perfekte Methode“. Manchmal gibt es auch Gruppen welche ihre Auffassung so extrem vertreten, dass es für mich eher eine Art „Sekte“ ist. Mit solchen Menschen braucht man sich eigentlich nicht zu unterhalten, denn sie lassen keine andere Meinung gelten als ihre eigene. Es bringt auch schlichtweg nichts sich mit ihnen zu unterhalten, weil sie, egal was man ihnen sagen würde, auf ihrem Standpunkt bleiben. Von dieser Meinung weichen sie nicht einen Millimeter ab.
Ich persönlich sehe es grundsätzlich als falsch an zu sagen „Nur meine Meinung ist richtig, alles andere ist falsch“. Es gibt angeblich für alles eine Studie, aber nicht immer findet man auch tatsächlich etwas dazu. Außerdem sollte man auch manche Studien hinterfragen. Im Endeffekt wollen alle nur verkaufen, sei es ein Produkt oder ihre eigene Methode und dadurch verbundene Kurse.

Ich persönlich bin der Meinung im Pferdebreich gibt es nicht nur „eine Wahrheit“. Und genau das stört mich häufig, denn viele Menschen lassen gar keine andere Meinung zu als ihre eigene. Wenn mal wieder jemand erzählt, dass nur sein Weg/seine Methode die einzig richtige ist, dann denk Dir: „Ja es ist vielleicht für Dich die perfekte Lösung, aber nicht für mich und mein Pferd“.
Das soll nicht heißen, dass man grundsätzlich gegen eine Meinung sein soll und diese direkt abblockt. Grundsätzlich sollte man sich mit allem auseinandersetzen – nur so kommt man weiter. Manchmal kann man für sich sogar etwas mitnehmen, aber eben nicht das komplette Konzept. Ich habe mir aus ganz vielen Methoden das heraus gesucht, was zu mir und meinem Pferd passt. Arbeite ich mit fremden Pferden, dann stelle ich das ebenfalls individuell zusammen. Denn jedes Pferd ist anders, nicht immer sind die Bedürfnisse gleich. Und auch heute entwickele ich mich immer weiter, nehme Sachen von anderen an oder stelle fest – ok das passt nicht zu uns.

Ja, auch ich beschäftige mich mit verschiedenen Ansätzen. Bin sicherlich sehr alternativ unterwegs, aber trotzdem offen für neues. Der Weg, der für Blue und mich heute perfekt ist, kann in ein paar Jahren schon wieder anders aussehen. Man entwickelt sich ja weiter und die Bedürfnisse können sich etwas ändern. Z.B. weil Blue älter wird, andere Probleme hinzu kommen usw..
Spontan fallen mir einige Beispiele ein, wo man häufig auf so eine Schwarz/Weis Meinung trifft. Ich möchte nur drei Beispiele nennen:

„Alle Pferde die mit Gebiss geritten werden haben Schmerzen, nur gebisslos ist pferdefreundlich“
Wer nicht ausschließlich gebisslos reitet wird gerne von gebisslosen Verfechtern als „Tierquäler“ hingestellt. Es gibt nur wenige Menschen die sagen „ich reite zwar gebisslos, aber wenn jemand gut mit Gebiss reitet finde ich das nicht schlimm“. Schwarze Schafe gibt es überall und auch wenn es gerne vergessen wird, gebisslos kann ich meinem Pferd genauso Schmerzen zufügen wie mit Gebiss.
Ich möchte das nicht noch mal näher ausführen, es gibt bereits einen ausführlichen Blogbeitrag dazu: Gebiss vs. Gebisslos

„Pferde brauchen keine Decke! Es kommt grundsätzlich ohne aus und jeder der sein Pferd eindeckt schadet ihm“
Ja auch ich bin kein „Deckenfreund“ und natürlich kommt ein gesundes Pferd i.d.R. problemlos ohne Decke zurecht. Wenn mir jemand aber vernünftig und plausibel erklärt, wieso sein Pferd eine Decke auf hat, dann ist das für mich ok. Schlimm finde ich nur das Eindecken aus Bequemlichkeit (z.B. weil man nicht putzen möchte) oder weil es als „Trend“ angesehen wird. Aber obwohl ich kein Freund vom eindecken bin, sollte ich merken das mein Pferd eine Decke braucht (aus gesundheitlichen Gründen), dann würde ich ihn auch eindecken.

„Kein Pferd ist dafür gemacht einen Menschen zu tragen. Jeder, der sein Pferd reitet ist ein Tierquäler“
Grundsätzlich kann man sagen, dass der Punkt mit dem „Kein Pferd ist dafür gemacht einen Menschen zu tragen“ schon stimmt. Aber wenn das Pferd (bzw. die Muskulatur) gut trainiert wird, der Reiter ausbalanciert sitzt und alles stimmt, dann finde ich das in Ordnung. Sicherlich gibt es Pferde die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr geritten werden sollten. Ich für meinen Teil höre viel auf mein Pferd und habe nicht das Gefühl, dass er Schmerzen beim reiten erleidet. Blue teilt schon sehr deutlich mit, wenn er etwas als unangenehm empfindet oder gar Schmerzen hat. Vor allem beim Ausreiten bin ich der Meinung, dass er da sehr viel Spaß dran hat und gerne geritten wird.
Auch wenn wir Menschen einen anderen Körperbau haben, aber wenn ein untrainierter Mensch 30kg durch die Gegend trägt wird er deutlich mehr Probleme haben als jemand der trainiert ist und eine gute Ausdauer + Muskulatur hat.
Ähnlich ist es beim Pferd, ein gutes Training macht einfach viel aus. Blue wird regelmäßig kontrolliert (Tierarzt + Physiotherapeut) und gesundheitliche Schäden durchs Reiten hat noch niemand feststellen können.

Ja da ist sicher manches etwas übertrieben ausgedrückt, aber letztendlich dient es der Veranschaulichung. Ich könnte noch viele solcher Beispiele nennen, belasse es aber dabei. Natürlich kann grundsätzlich jeder mit seinem Tier machen was er will. Wenn jemand sein Pferd nicht reitet, ist das für mich absolut in Ordnung. Wenn jemand sein Pferd ausschließlich gebisslos reitet, ist das für mich ok. Wenn jemand Turniere geht, ist das ok.
Häufig kommt es ja auf das WIE drauf an. Wie reite ich mein Pferd? Wie gehe ich mit der Zäumung um? Wie ist die Einstellung zu meinem Pferd? Wie bringe ich ihm neue Sachen bei? usw..

Meiner Meinung nach gibt es nicht nur Schwarz oder Weiß. Sicherlich gibt es Punkte, die wenige Spielraum zulassen. Wie z.B. bei der Haltung, dass ein Pferd natürlich Kontakt zu Artgenossen und Bewegung braucht. Oder, dass man sein Pferd selbstverständlich nicht verprügelt oder ihm anderweitig bewusst Schmerzen zufügt.
Aber auch bei der Haltung gibt es nicht nur „eine Wahrheit“. Es gibt Pferde die fühlen sich in großen Herden z.B. nicht wohl, oder brauchen nachts ihre Ruhe zum Fressen (weil sie z.B. älter sind). Es gibt verschiedene Faktoren worauf man achten muss und nicht jeder Stall bietet das, was zum Pferd passt. Und auch hier, ein schlecht geführter Offenstall kann genauso schlecht sein wie 24 Stunden Box.
Es fühlt sich ja auch nicht jeder Mensch auf dem Land wohl. Manche sind richtige Stadtmenschen und mögen das Leben dort und für andere wäre genau das der totale Horror. Hier muss man auf die Bedürfnisse des Pferdes eingehen, nicht auf die des Menschen.
Toleranz spielt eine große Rolle und genau diese sucht man oft vergeblich. Jemand mit einer anderen Meinung kann genauso Recht haben wie man selbst. Wenn jemand etwas anders macht, heißt es nicht zwangsläufig, dass es falsch ist.
Wer seinem Pferd in gewisser Weise ein Mitspracherecht einräumt, der erfährt schnell ob etwas richtig oder falsch ist. Denn unsere Pferde geben uns normal immer ein direktes Feedback, auch wenn das vielleicht nicht immer so ausfällt wie man es selbst gerne hätte. Wichtig ist, dass man auf sein Pferd hört, nicht auf irgendwelche „Gurus/Bandenprofis etc.“!


2 Gedanken zu “Schwarz oder Weiß? Anders bedeutet nicht falsch!

  1. „Nicht jede Methode ist für jedes Pferd „die perfekte Methode“.“
    Danke, Danke, einfach nur Danke!!! Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin dir wirklich sehr dankbar für diesen super geschriebenen Artikel, der so viel Wahres beinhaltet und den Nagel auf dem Kopf trifft. Ignoranz ist nie der richtige Weg und ich bin ehrlich froh, dass ich diesen Artikel gefunden habe. Ich dachte schon, ich bin die einzige mit dieser Meinung. Aber zum Glück nein!
    Was ich auch noch erwähnen wollte ist die Tatsache, dass ich dieses Bild in schwarz weiß liebe. Es ist wunderschön. Es gefällt mir sehr gut und trägt gut zur Thematik bei. Ich finde es auch sehr schön, dass du darauf eingehst, dass es keine pauschalen Lösungen für Pferde gibt. Jedes Pferd ist so einzigartig, dass man gar nicht sagen, kann dass es nur einen Weg gibt. Du sprichst mir da aus der Seele!
    Die Arbeit mit den Pferden, ist eine Arbeit, die mich sehr erfüllt. Daher bereitet es auch mir immer Bauchschmerzen, wenn ich auf Menschen treffe, die so überzeugt gibt, dass es nur die Methode gibt, die sie kennen. Ich würde meine Arbeit mit meinen Pferden nie tauschen wollen. Dieses Jahr werde ich viel unterwegs sein. Dafür habe ich einen Pferdetransporter von Rudvan, der das Reisen äußerst bequem machen soll. Ich bin gespannt und logischerweise voller Hoffnung!
    Danke für den tollen Text!
    Moni.

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    1. Liebe Moni,
      vielen lieben Dank für Deine lieben Worte. Ich hab mich sehr darüber gefreut und solche Rückmeldungen bedeuten mir sehr viel. Daher ein ganz großes Dankeschön dafür und Dir alles Gute bei Deinen Reisen!

      Liebe Grüße
      Aline

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