Warum zirzensische Lektionen?

ZL Spanischer Gruß
Spanischer Gruß

Zirzensische Lektionen sind immer mehr im Trend, daher bleibt es nicht aus, dass so ein Trend auch kritisch gesehen wird.
Ein wenig werden Zirkuslektionen noch immer belächelt und manchmal auch „schlecht geredet“. Dabei wissen viele gar nicht wie hilfreich Zirkuslektionen sein können.
Richtig(!) ausgeführt, haben sie nämlich einen extrem positiven Effekt. Zum einen wird die Balance des Pferdes geschult und zum anderen hält man sein Pferd damit fit. Zirkuslektionen dehnen und gymnastizieren das Pferd, je nachdem welche Lektionen man mit dem Pferd macht, wird ein Mal von vorne bis hinten das komplette Pferd durch gedehnt.
Das ist unter anderem auch ein Grund, weswegen man für Zirkuslektionen das Pferd aufwärmen sollte. Wer ein gut durch gedehntes Pferd hat, wird häufig weniger Probleme haben bzw. manche lassen sich durch gezielte Zirkuslektionen sogar mindern.
Noch dazu sind sie keinesfalls unnatürlich. Schaut man Pferden mal beim spielen zu merkt man schnell wie „Kompliment“, „Knien“ sowie „Spanischer Schritt/Gruß“ ebenfalls Bestandteil sind. Auch auf der Weide sieht man manches Pferd in der „Bergziege“, um an den leckeren Grashalm zu kommen.
Es stimmt also nicht, dass Zirkuslektionen absolut unnatürlich und schlecht sind. Vorausgesetzt die Lektionen werden RICHTIG beigebracht und ausgeführt, denn auch hier ist es wie beim Reiten – man kann eine Menge falsch machen!
Und das wird oft vergessen, weil sie falsch ausgeführt natürlich Schäden verursachen und unbeteiligte Menschen durchaus Probleme bekommen können wenn sie mit dem Pferd zu tun haben. Denn das ein gewisses Maß an Konsequenz beim erlernen der Zirkuslektionen wichtig ist, wird nicht bedacht. Vergisst man dies, so spulen manche Pferde in allen möglichen Lagen Lektionen ab – ohne, dass man ein Kommando gegeben hat. Das kann je nach Lektion natürlich auch zu Verletzungen führen (dies mal beim Mensch). Kann ich meinem Pferd nicht mal mehr in Ruhe die Hufe auskratzen, ohne, dass es sich auf den Boden wirft oder in Spanischer Gruß Manier nach vorne das Bein raus haut, so habe ich definitiv etwas falsch gemacht!
Daher ist es wichtig, dass neben der korrekten Ausführung ebenfalls darauf geachtet wird, dass diese nur ausgeführt werden, wenn man EINDEUTIG das Kommando dazu gibt.

ZL Bergziege
Die Bergziege

Hat man die Lektionen also erfolgreich seinem Pferd beigebracht, so kann man eine Menge Spaß haben.
Das Kompliment ist gut für die Schulterfreiheit, es dehnt die Vorhand. Korrekt ausgeführt wird der Rücken gewölbt und gleichzeitig die Bauchmuskulatur gestärkt.
Bei der Bergziege dehnt man eigentlich die komplette Oberlinie des Pferdes. Bauch- und Rückenmuskulatur wird gestärkt.
Beim Spanischen Schritt(/Gruß )erreicht man ebenfalls eine bessere Schulterfreiheit, die Vorhand und Hinterhand Koordination wird gefördert.
Die Verbeugung spricht ebenfalls die Bauch- und Rückenmuskulatur an, vor allem im Lendenbereich.
Ich nehme jetzt bewusst nur diese Lektionen und nicht mehr. Natürlich spielt bei fast allen Lektionen die Balance eine Rolle. Die Pferde bekommen so häufig ein besseres „Gefühl“ für ihren Körper.
Anfangs werden die Pferde solche Lektionen nicht lange halten können, je mehr man übt, umso länger können sie diese Haltung auch behalten, da die Muskulatur etc. immer mehr gestärkt wird. Außerdem wird die Dehnung ebenfalls immer besser, das ist bei Pferden nicht anders als bei Menschen. Wer keinen Spagat kann, wird diesen erst mit regelmäßigem Training erreichen. Wie bei uns Menschen gibt es natürlich auch Pferde, die länger für eine gewisse Dehnung brauchen als andere.
Neben dem körperlichen Aspekt sind Zirkuslektionen gleichzeitig gut für Pferde, die wenig Selbstbewusstsein haben. Je nach Lektion kann ich das Selbstbewusstsein des Pferdes stärken oder aber besonders hektische/ranghohe Pferde etwas „runter holen“. Das Vertrauen wird gestärkt, da die Pferde häufig in Positionen sind, die ein Fluchttier nie einnehmen würde, wenn Gefahr droht.

ZL Kompliment
Falsch ausgeführt sind zirzensische Lektionen schädlich. Um zu verdeutlichen was „falsch“ bedeuten kann hier ein Beispiel anhand des Kompliments. Links: Der vordere Huf ist nicht richtig gestreckt, die Belastung liegt vorne auf dem Huf und den Gelenken. Das angewinkelte Bein liegt nicht korrekt, es ist vermehrt Druck vorne auf dem Vorderfußwurzelgelenk und auch die Hinterbeine könnten etwas mehr nach hinten. Rechts: Das vordere Bein ist gestreckt und das angewinkelte Bein korrekt abgelegt. Hier sollte ein 90 Grad Winkel entstehen, damit das Bein gleichmäßig belastet wird. Insgesamt wird das Gewicht besser und gleichmäßiger verteilt, Blue ist viel ausbalancierter.

Fakt ist, richtig angewendet sind Zirkuslektionen in jeder Hinsicht eine Bereicherung und nicht nur irgendein „Blödsinn“.
Es sind also keinesfalls Lektionen, die man mal „eben im Vorbeigehen“ beibringt, sondern es bedarf einer vollwertigen Ausbildung die Zeit braucht.
Liegen körperliche Erkrankungen des Pferdes vor, so sollte man sich auf jeden Fall mit seinem Tierarzt absprechen, ob gewisse Lektionen ohne Bedenken beigebracht werden können.

Auch empfinde ich es etwas als „Betrug“ wenn man Tonnen von Leckerlis ins Pferd stopft während der Bodenarbeit. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Leckerlis, ich arbeite selbst damit. Dennoch finde ich, dass man sofern man mit Leckerlis arbeitet, diese nicht Eimerweise ins Pferd befördern sollte, sondern mit Sinn und Verstand. Blue bekommt hauptsächlich welche, wenn wir etwas Neues erlernen oder er eine Lektion besonders toll ausgeführt hat. Dadurch nutze ich Leckerlis sehr gezielt als Belohnung, ansonsten gibt es auch andere Möglichkeiten das Pferd zu belohnen. Z.B. durch Krauleinheiten, streicheln, Pausen oder aufgrund der Stimme.
Häufig sieht man vor allem beim Liegen, dass dauerhaft Leckerlis ins Pferd gestopfen werden, damit es auch tatsächlich liegen bleibt. Wenn das notwendig ist, dann fühlt sich das Pferd meiner Meinung nach nicht wohl in dieser Lektion. Manchmal bekommt Blue überhaupt keine Leckerlis wenn er liegt, dennoch bleibt er ruhig und entspannt liegen bis ich das Kommando zum aufstehen gebe. Auch wenn ich keine Leckerlis dabei habe, so sind alle Lektionen abrufbar. Daher sollte man wirklich kritisch hinterfragen, wenn jemand Leckerlis in Massen nutzt. Noch dazu verlieren sie dadurch an Bedeutung, weil sie ohne einen wirklichen „Effekt“ ins Pferd gestopft werden. Nutzt man Leckerlis ohne Sinn und Verstand, so kommt es nicht selten zu Unarten wie dem schnappen, ein gut erzogenes Pferd wird so etwas i.d.R. nicht machen. Positives bestärken durch Leckerlis – ja, aber eben mit Vernunft.
Wer Leckerlis nutzt sollte etwas darauf achten, was er füttert, ansonsten kann das auf Dauer (wenn man zu viel füttert) auch ungesund sein. (Tipp: Gesunde Leckerlis?)


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