Wenn das Pferd älter wird – in guten wie in schlechten Zeiten

in guten wie in schlechten Zeiten

Wer ein Pferd hat weiß, dass es emotional eine ziemliche Achterbahn sein kann. Ja, wir alle bevorzugen die guten Zeiten, aber die schlechten gehören automatisch dazu. Wobei auch schlechte Zeiten etwas Gutes haben können. Umso länger wir unser Pferd haben, je älter es wird, umso mehr Probleme kommen auf einen zu. Sicherlich ist die Extremität sehr unterschiedlich.
In unserem Fall haben wir schon relativ früh gerade die schlechten Zeiten kennengelernt. Mit der gebrochenen Kniescheibe und den Problemen danach begann es. Diese Zeit hatte aber auch was gutes, wir wären sonst sicher nicht da wo wir heute sind. Jedoch wäre es mir natürlich lieber Blue hätte nicht so früh schon einen Bruch gehabt. So ein gebrochener Knochen wird immer eine Schwachstelle bleiben, vor allem mit zunehmendem Alter. Ich hätte alles dafür gegeben ein gesundes Pferd zu haben. So hat Blue diesen „Status“ schon sehr früh verloren. Einige die uns schon lange kennen werden wissen, dass es sogar eine Zeit gab wo ich aufgeben wollte, überlegte habe Blue zu verkaufen. Wir haben gegeneinander gekämpft und es hat nichts geklappt. Letztendlich habe ich in dieser Zeit am meisten von Blue gelernt. In Bezug auf Pferde und über mich selbst. Meine damaligen Träume und Pläne habe ich über den Haufen geworfen und bin mehr als froh darüber, dass wir diesen Weg gegangen sind. Er war nicht immer leicht, aber das was wir gewonnen haben, lässt sich mit keinem Geld der Welt bezahlen. So hatte vor allem diese schlechte Zeit in jungen Jahren für uns eine sehr große Bedeutung – in gewisser Weise sogar positiv.
Je älter das Pferd wird, umso mehr werden die „Probleme“ und „Wehwehchen“. Oftmals heißt es „Im Alter merkt man was in der Jugend war“. Da ich ihn seit seiner Geburt kenne, weiß ich über den Teil zum Glück bescheid. Blue wurde dieses Jahr 17 Jahre alt, seitdem geht es steil bergab. Mir war bewusst, dass vor allem der Bruch uns früher oder später stark zu schaffen macht. Aber ich war definitiv nicht DARAUF vorbereitet. Rückblickend kann ich nur sagen, ich weiß nicht ob man sich da überhaupt wirklich drauf vorbereiten kann.

Wenige Tage nach Blues 17 Geburtstag ging es los. Ich fand Blue liegend auf der Weide. Er sah mich, brummelte mich an, stand auf und innerhalb weniger Sekunden ging es rapide bergab mit seinem Zustand. Wieder legte er sich hin, atmete schwer und wurde immer apathischer. Sein Zustand war mehr als kritisch und das erste Mal seit ich ihn habe dachte ich er stirbt. Für mich war die Zeit furchtbar wo wir auf die Tierärztin gewartet haben. Wir vermuten einen Hitzschlag, auch wenn man nicht genau sagen kann was der Auslöser war. Blue war nie auffällig und hat eigentlich alles was er braucht. Da merkt man einfach deutlich, dass einen so was immer unerwartet treffen kann. Wenn Blue mal was in jüngeren Jahren hatte, so hat er sich schnell wieder erholt. Nun merke ich, dass er für so was deutlich länger braucht und entsprechend anfälliger ist.
Diesen Vorfall muss man aber natürlich differenziert behandeln. Das ist was anderes als ein Bruch (oder wenn das Pferd bereits eine OP hatte). So was kann leider passieren. Aber sobald sich das Immunsystem wieder vollständig erholt hat, wird diese Sache keine Nachwirkungen haben.
Natürlich, Blue ist mit 17 jetzt eigentlich nicht alt. Aber die Tatsache, dass die gebrochene Kniescheibe vor 13 Jahren war, macht sich langsam bemerkbar. Seine Mutter z.B. ist 27 Jahre alt. Die hat so eine Vorgeschichte nicht, aber mit zunehmendem Alter wurde auch sie anfälliger (Kreislauf/leichte Kolik). Mittlerweile hat auch Bärli leichte Probleme mit Arthrose was aber für 27 völlig im Rahmen ist.
Anders ist es mit dem Bruch. Durch die frühe Verletzung und die damit verbundene Schonzeit bekommen wir nun immer mehr Probleme. Und das noch nicht mal, wie man vielleicht denken könnte, an der Stelle wo der Bruch war. Nein, vielmehr ist es die vordere gegenüberliegende Seite, die damals aufgrund der Schonung viel übernommen und aufgefangen hat. Es ist zum Teil schwierig eine Balance zu halten. Denn Blue braucht mittlerweile eine gewisse Muskulatur um schmerzfrei laufen zu können. Trainingspausen aufgrund einer Krankheit werden immer mehr zum Problem. Sobald die Muskulatur abbaut, kommen andere Baustellen zum Vorschein. Das meiste hängt mit dem Bruch zusammen. Neben den mir bekannten Problemzonen, die ich selbst schon seit Jahren behandle, kommt nun immer mehr dazu. Aktuell ist eine Sache noch in Abklärung.
Seit dem Bruch ist für mich klar, dass es egal ist wie lange ich ihn reiten kann. Mir ist egal in wie weit er belastbar ist, im Prinzip ist mir alles egal – Hauptsache er ist da und kann ein schmerzfreies Leben auf der Weide führen. Mir käme es nie in den Sinn ihn abzuschieben nur weil er irgendwann z.B. Rentner ist. Blue bleibt bis zum Ende bei mir und egal welche schweren Zeiten noch kommen mögen, wir werden sie gemeinsam überstehen. Und jeder schwere Tag wird uns noch ein Stück näher zusammen bringen. Wir hatten viele wundervolle Jahre, mit wenigen gesundheitlichen Problemen. In all den Jahren hatten wir deutlich weniger Probleme als uns nach der Diagnose vorhergesagt wurden. Wir haben mehr erreicht und erlebt als ich je geglaubt habe. Die vielen unbeschwerten und gesunden Jahre waren ein Geschenk. Dass es uns irgendwann erwischt war ein kalkulierbares Risiko. Früh habe ich mit entsprechenden Behandlungen und Zusatzfutter versucht es hinauszuzögern. Leider kann man das nur bis zu einem gewissen Grad. Anders hätten die Probleme vielleicht mit 15 begonnen, so hatten wir noch 2 Jahre „Ruhe“.

„Nichts geschieht ohne Grund“, das ist ein Satz der mich schon seit Jahren begleitet. Ich bin mir sicher, dass alles im Leben aus einem Grund passiert. Teilweise verstehen wir diesen Grund erst später, für manches fällt es sicher auch schwer einen zu finden. Und natürlich ist das Leben manchmal unfair. Trotzdem versuche ich immer das Beste daraus zu machen. Klar, auch ich habe Momente wo mir das so gar nicht gelingt. Sicherlich wird auch dieser „Hitzschlag“ einen Grund haben. Vielleicht eine Art „Warnung“? Vielleicht der Beginn vom Ende? Dass ich die Zeit noch mal besonders genießen soll? Obwohl ich wirklich froh über jeden Tag bin der uns gemeinsam geschenkt wird, so ist das Bewusstsein nach so einem Vorfall noch mal ganz anders. Ich hoffe sehr, dass der Grund nicht darin besteht mich auf das Ende unserer gemeinsamen Zeit vorzubereiten. Klar, dieser Tag wird kommen, aber ich wünsche mir, dass er noch in weiter Ferne liegt.
Blue bedeutet mir sehr viel. So eine innige Beziehung, wo man sich blind vertraut ist zum einen etwas ganz wundervolles, aber das kann auch sehr belastend sein. Man leidet genauso extrem wie man sich in guten Momenten freut. Sobald Blue etwas hat, es ihm nicht gut geht oder sonst irgendwas ist merke ich das direkt. Es ist als hätte ich die Schmerzen etc. selbst. Das ist sehr nervenaufreibend, geht manchmal extrem an die Substanz. Auch die Menschen aus meinem nahen Umfeld kommen dann nur schwer an mich ran. Nach dem Vorfall, wo ich dachte das Blue stirbt, habe ich wirklich lange gebraucht um es selbst zu verarbeiten. Psychisch hat mir das sehr zugesetzt. Ich würde wirklich alles für Blue tun und ich setze alles daran meine Versprechen zu halten. Schon ganz am Anfang, wo das mit dem Kniebruch war, habe ich Blue z.B. versprochen, dass ich stets versuchen werde immer zu seinem Wohl zu entscheiden. Auch wenn diese Entscheidung für mich von Nachteil sein sollte. Ich werde immer akzeptieren was er entscheidet und wenn irgendwann der Tag kommt wo er sagt er möchte nicht mehr, dann werde ich mein Versprechen zum letzten Mal halten. In all den gemeinsamen Jahren habe ich meine Bedürfnisse, Ansprüche und Wünsche immer gerne zurück gestellt. Wenn es Blue gut geht und er glücklich ist, dann bin ich das auch. Gerade diese emotionale Ebene ist manchmal schon sehr schmerzhaft. Aber mir wäre es nie in den Sinn gekommen solche Situationen zu meiden. Als ich mich für Blue entschieden habe war mir klar, dass wir diesen Weg mit allen Konsequenzen bis zum letzten Moment gemeinsam gehen. In guten wie in schlechten Zeiten. Das bin ich ihm alleine schon schuldig weil er mir so viel beigebracht hat und ich durch ihn so viel erleben und spüren durfte. Ich hoffe das Leben meint es gut mit uns, sodass wir uns langsam wieder fangen und es auch noch mal Jahre gibt mit weniger Problemen.

Zum weiterlesen:

Warum schwere Zeiten auch etwas positives haben
Blue und der Kniebruch
Ewalia Bewegungssaft bei Arthrose


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